Bogenbau

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Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Ein Bogen ist ein sehr einfaches und schlichtes Gerät. Gerade das macht seine Faszination aus! Als Kind hat so mancher von uns Bogen gebaut und geschossen. Also muss es doch ganz einfach sein? Jaein! Es ist bestimmt keine „Geheimwissenschaft“. Jede(r) kann es lernen. Lernen aber ist erforderlich, „einfach mal schnell eben so“ gelingt es höchstens per Zufall in seltenen Fällen. Denn:

Die Bogen, um die es hier geht, haben außer der grundsätzlichen Funktionsweise wenig mit den Bogen der Kinderzeit gemeinsam! Es sind hochpräzise und sorgfältig getrimmte, leistungsfähige Sportgeräte, die das Material bis an die Grenze der Belastbarkeit ausreizen! Dies aber erfordert, neben dem reinen „know-how“, vor Allem eine Menge Erfahrung! Zumindest dann, wenn das Ergebnis über viele Jahre eine brauchbare Leistung bringen soll. Hinzu kommt, dass der Grund-Werkstoff Holz bereits in großer Variationsbreite vorkommt, und zudem, je nach Sorte, seine ganz eigenen Tücken und Eigenarten hat.

Und das beginnt schon bei der Holzbeschaffung und -auswahl, setzt sich bei der Behandlung bis zur Gebrauchsfertigkeit fort, legt die Grundlagen für das spätere Ergebnis in der Festlegung von Bogentyp und Lage im Stamm, und nähert sich über verschiedene Bearbeitungsstufen vom groben Behauen bis zum Feintiller mit Sandpapier und letztlich der Oberflächenbehandlung in vielen, wohl bedachten Schritten dem Ziel.

Wer sich also darauf einlassen möchte, sollte Geduld, Flexibilität, Hartnäckigkeit und leider auch zu Beginn eine gewisse Frustrationstoleranz sein Eigen nennen. Dann kann es los gehen!

Holzbeschaffung und Auswahl

Die Idealvorstellung

Das optimale Bogenholz bekommt man als frisch geschlagenen Baum (noch am Tag des Einschlags). Dabei handelt es sich um einen gesunden, geraden, zumindest an einer Seite durchgehend astfreien Stamm ohne Drehwuchs von 15 bis 20 cm Durchmesser (Ausnahmen: Haselnuss max. 8 cm, Robinie min. 20 cm). Er ist frei von Schädlingen, hat 6 - 8 mm dicke Ringe mit (bei ringporigen Hölzern; Ausnahme: Eibe > möglichst feinringig) wenig Frühholz und einen hohen Anteil von hochfestem Spätholz.

Dieser Stamm wird sofort gespalten, auf Länge geschnitten, je nach Holzsorte ggf. entrindet und versiegelt. Dann trocknet man ihn langsam und kontrolliert über mehrere Monate kühl, schattig und gut belüftet.

Wirklich ideales Holz, das alle diese Kriterien erfüllt, ist selten. Meistens muss man in einem oder einigen Punkten Abstriche machen. Dadurch ist das Holz nicht unbrauchbar, aber schwieriger zu bearbeiten oder weniger leistungsfähig.

Holzquellen

Solches (ideales) Holz bekommt man NICHT im Holzhandel. Quellen sind: Eigene Bäume, Förster, Bekanntenkreis, Gartenbaubetriebe, Fällfirmen, Stadtgärtner, Friedhofsgärtner, etc.

Besonders in der "Fällperiode" zwischen September und März lohnt es sich, mit "offenen Augen" durch die Welt zu gehen, und sich nicht zu scheuen, die Forstarbeiter oder Gartenbesitzer anzusprechen, wenn man irgendwo Fällmaßnahmen beobachtet!

Im Bogensport-Fachhandel kann man solches Holz fertig vorbereitet und getrocknet kaufen, die Preise liegen je nach Holzsorte und -qualität zwischen 30 und 250 Euro je Stave. Leider ist ein Fachhandel noch NICHT automatisch eine Garantie für ideales Holz, meistens sind die Stücke aber zumindest geeignet.

Hölzer aus Holzhandlungen sind in der Regel für die tischlermäßige Verarbeitung vorbereitet, d.h. sie wurden stark (und schnell!) getrocknet und in Bohlen gesägt. Damit ist das Holz zwar nicht ungeeignet, lässt sich meist sogar besser bearbeiten, aber man sollte nicht bis an die Belastungsgrenze der Holzsorte heran gehen. Außerdem muss man bezüglich des Faserverlaufs genau hinsehen, damit man kein drehwüchsiges Holz bekommt.

Was man auf jeden Fall machen sollte, ist, allen Freunden, Bekannten, Kollegen etc. erzählen, dass man Bedarf hat, und auch, einige (wenige) Anforderungen: Länger als 1,5 m, relativ gerade und mindestens 1 astfreie Seite. Bei den Holzarten ist es einfacher, zu sagen, welche NICHT geeignet sind: Pappel, Weide, Erle, Birke, Platane, Thuja, Buche, Eiche würde ich erst mal für Anfänger ausschließen, auch wenn es einige vereinzelte Bogen daraus gibt.

Spalten, Versiegeln, Lagern

Werkzeuge/Materialien

  • Spalten: Fäustel, Pfahlhammer, Spaltkeile, Axt, kleines, scharfes Beil, Kreide
  • Entrinden: kräftiger Spachtel oder Ziehmesser.
  • Versiegeln: billiger Holzleim, billiger Pinsel
  • Lagerhölzer zum luftigen Stapeln

Sicherheitshinweis

!!!!!!! Beim Schlagen von Metall auf Metall (zB: Hammer auf Axt, Hammer auf Metallkeil) können extrem scharfe und schnelle Metallsplitter abspringen. Mindestschutz bei solchen Arbeiten sollten Handschuhe und Schutzbrille sein. Besser Kunststoff oder Holzkeile zum Spalten verwenden. Alternativ zum Schlagen auf die (haltbareren!) Stahlkeile einen Fäustel mit Gummiaufsatz verwenden, wie er zum Verlegen von Steinplatten benutzt wird. !!!!!

Spalten

Die meisten Hölzer lassen sich bis zu einem Stammdurchmesser von 30 cm erstaunlich gut durch Spalten zerlegen! Mit viel weniger Kraftaufwand als durch (manuelles) Sägen! Eine Ausnahme bildet z.B. Ulme, die sich nur schwer spalten lässt, ab 20 cm Durchmesser wird es da schon mühsam! Neben dem reinen "Portionieren", also Zerteilen als Selbstzweck, dient das Spalten dazu, den Faserverlauf des Holzes zu erkennen, denn es spaltet meistens zuverlässig entlang des Verlaufs. So werden Wellen oder Drehwuchs sofort ablesbar.

Das Spalten erfolgt "wie der Vogel scheisst" - klingt zwar vulgär, ist aber gut zu merken, und bedeutet: Von der Krone zur Wurzel.

Vor dem Spalten sollte man den Stamm genau von allen Seiten betrachten und über die Länge "fluchten" (in Längsrichtung schauen), um Krümmungen und die ggf. Lage von Ästen zu erkennen. Mit Kreide lassen sich auch auf feuchtem Holz dabei Markierungen anbringen. Ziel ist, die Spaltlinien so zu legen, dass

  • Äste entweder vermieden werden, oder in der Mitte der Wurfarm-Breite zu liegen kommen,
  • keine seitlichen Krümmungen im Stave sind, es sei denn, sie sind auf einen kurzen Bereich beschränkt, den man später gerade biegen kann.

Exkurs: Krumme Stämme

Selbst aus einem gekrümmten Stamm kann man einen guten, sogar hervorragenden Bogen bauen, WENN die Krümmung nur in einer Ebene verläuft, der Stamm also nicht spiralförmig ist! Bei sehr krummen Stücken erleichtert man sich das Tillern und reduziert die spätere Holzbelastung, wenn man den Stave im Griffbereich durch Dämpfen/Biegen deflex formt: (Das Beispiel zeigt einen reflexen Stave, die Rückenseite ist also unten!)

KrummesHolz.jpg

Bei dem Gegenstück, einem stark deflexen Stave, geht man genau so vor, und biegt den Griffbereich reflex. Natürlich ergibt das dann eine völlig andere Bogenform! Aber selbst wenn ein Stamm nicht so symmetrisch geformt ist, sondern nur in einer Hälfte krumm, kann daraus ein Bogen werden; dann muss allerdings eine der beiden Seiten der anderen angepasst werden (Dämpfen/Biegen!). Dabei wird immer IN die zukünftige Zugrichtung gebogen! Biegungen GEGEN die Zugrichtung haben meist keinen Bestand, wenn sie in einem Bereich liegen, der "arbeitet", also beim Auszug gekrümmt wird.

Exkurs Ende

Hat man die brauchbaren Bereiche des Stammes markiert, wird der erste Spalt angesetzt. Wichtig ist, dass JEDER Spalt im Folgenden IMMER durch den Markkanal verläuft, der Stamm wird also von der Schnittfläche her gesehen so geteilt, wie man eine Torte aufschneidet!

Um den ersten Spalt zu beginnen schlägt am einen eher schlanken Keil oder Axtkopf (ich nehme auch einen angeschliffenen Meißel!) in Längsrichtung in das Hirnholz:

  • Spalten1.jpg

(Holz: Robinie)

Ist der entstehende Spalt schon an der Rindenseite lang genug, um dort einen Keil einzusetzen, geht es an der Seite weiter; bei dicken oder zähen Stämmen muss evtl. erst auch noch ein zweiter, dickerer Keil zusätzlich in die Stirnseite geschlagen werden. Auf jeden Fall geht es erst an der Seite weiter, wenn die Stirnseite, wie im Bild, vollständig gespalten ist!

Kann man den ersten Keil seitlich einschlagen, wird er möglichst dicht vor dem stirnseitigen Werkzeug so weit eingetrieben, dass das strinseitige Werkzeug herausfällt oder zumindest herausgezogen werden kann.

Bei Stämmen bis 20 cm Durchmesser erweitert sich dabei der Spalt in der ganzen Stammbreite. Bei dickeren Stämmen öffnet er sich nur V-förmig auf der Seite des Keils. In BEIDEN Fällen wird nun der 3. Keil von der GEGENÜBER liegenden Rindenseite her eingeschlagen, der Stamm also gedreht! (Holzklotz unter legen, da der 1. Keil ja raus schaut!) Im Weiteren wird immer im Wechsel der Seiten gearbeitet - nur bei dünnen Stämmen (unter ca. 12 cm) ist das verzichtbar. Der 2. Keil wird so weit eingeschlagen, dass der 1. von selber heraus fällt. Dieser wird dann, wieder von der Seite, wo er saß, so weit wie möglich am Ende des bisherigen Spaltverlaufs neu eingeschlagen u.s.w., bis der Stamm vollständig gespalten ist. Bei dickeren Stämmen benötigt man dafür 4 Keile (2 je Seite), wobei immer nur DER Keil heraus muss und versetzt wird, der weiter zu dem Ende saß, wo man begonnen hat. Im Regelfall genügen aber 2 Keile, die abwechselnd weiter gesetzt werden. Hinweis: Das ständige Drehen des Stammes mag mühsam erscheinen - ist aber die beste Versicherung dafür, dass der Spalt gerade durch und nicht seitlich raus läuft!

Bei schlecht spaltenden Hölzern (z.B. Ulme) bleiben im Spalt oft "Querverbindungen" von einer zur anderen Seite diagonal stehen, die das weitere Öffnen des Spalts behindern! So bald man das bemerkt, werden die am besten mir einem Beil, einer Säge oder einem breiten Stechbeitel durchtrennt, bevor man den nächsten Keil einschlägt!

Ist der Stamm halbiert, ist er evtl. noch immer für mehrere Bogen gut (2 - 4), je nach Holzart, Dicke und Lage der Äste. Soll er noch einmal oder mehrmals längs gespalten werden, ist es wichtig, damit es gelingt, dass auch weiterhin der Spalt immer in gerader Linie zwischen Außenseite und Stamm-Mitte (Markkanal) verläuft! Wieder wird der Spalt an der Stirnseite (Schnittfläche) angesetzt, wie im Bild oben! Unterschied: Ab jetzt werden die Keile NUR noch von der Rindenseite eingeschlagen, der Stamm muss also nicht mehr bei jedem Keil umgedreht werden! Spaltlinge von weniger als 6 cm Breite (an Rindenseite gemessen) abzusplaten gelingt nur bei sehr gut spaltenden Hölzern, und selbst da nicht immer! besser einen Stave weniger aus dem Stamm holen, als einen zu verderben!

Hat man nun den Stamm so weit zerlegt, dass das Holz nur noch je Stave für einen einzigen Bogen ausreicht, sollte man es etwas glätten und dann versiegeln. Vorher ist es aber sinnvoll, sich schon jetzt einmal grob Gedanken da drüber zu machen, was für einen Bogen und wie man ihn daraus herstellen würde. So kann man

  • ungeeignete Staves aussortieren
  • überflüssiges Holz entfernen
  • die Staves nach Qualität und Bogentyp sortieren.

Entrinden

Jetzt ist auch der Zeitpunkt zu entscheiden, ob das Holz entrindet werden soll! Dazu gibt es mehrere Punkte zu beachten:

  • Unter der Rinde (=Borke) können Schädlinge sitzen,
  • Unter der Rinde können sich Pilze ausbreiten,
  • Die Rinde lässt sich frisch meistens leichter entfernen,
  • die Rinde schützt den obersten Ring vor zu schneller Trocknung.

Hölzer mit hohem Zuckergehalt (z.B. Ahorn) sollten entrindet werden, da sie besonders oft von Schädlingen befallen sind. Auch Stämme, die schon länger unbehandelt im Freien gelegen haben entrindet man besser, da unter der Borke schon Zersetzungsprozesse und Pilzwuchs begonnen und Schädlinge Eintritt gefunden haben können.

Ist dabei aber der äußerste, direkt unter der Borke liegende Ring als Bogenrücken geeignet (und soll möglicherweise als solcher verwendet werden), sollte man diesen gegen zu schnelle Austrocknung ersatzweise versiegeln! Dafür genügt billiger Klarlack, verdünnter Holzleim geht ebenfalls, begünstigt allerdings wiederum Pilzbefall! Der Lack wird aufgebracht, wenn die Oberfläche fühlbar abgetrocknet ist.

Ich entrinde am liebsten mit einem kräftigen, (leicht, aber nicht messerscharf) angeschliffenen Spachtel (wichtig: Ecken abrunden!).

Versiegeln

Holz hat Leitungsbahnen zur Wasserführung in Längsrichtung. Diese sind an den Enden des Staves abgeschnitten, was dazu führen würde, dass die Enden schneller austrocknen als der Rest - und dabei verspröden und/oder einreißen! Um das zu verhindern müssen die Leitungen verschlossen, der Stave "versiegelt" werden. Die beste Methode ist, sie mit billigem Holzleim zu bepinseln, so dick es geht, ohne dass er wegfließt, an den Schnittseiten und noch ca. 5 cm weit an den Längsseiten. Alternativ kann man sie in flüssiges Wachs tauchen oder mehrfach lackieren. (Äste von mehr als 5 mm Durchmesser werden ebenfalls versiegelt).

Diese Arbeit ist extrem wichtig und sollte nicht aufgeschoben werden! Sofort nach dem Spalten und Glätten erledigen. Hat der Stamm schon vorher einige Tage "herumgelegen", sollte man ein paar cm an jedem Ende wegschneiden, das Holz ist dort unbrauchbar geworden, und zwar je nach Sorte und Klima 3 bis 5 cm pro Tag (ausgenommen bei Dauerregen). Mehr als 20 cm je Seite müssen aber nicht weg...

Wachs zur Versiegelung hat übrigens den Nachteil, dass beim weiteren Bearbeiten davon Reste auf dem Holz verteilt werden können, und späteres Kleben oder Lackieren behindern!

Dann noch den Stave beschriften, mindestens das aktuelle Datum (Monat/Jahr) und Holzsorte, und der Stave kann, so bald der Leim trocken ist, in das Holzlager gebracht werden.

Trocknen

Lexikon:

Um aus Holz einen Bogen zu bauen, sollte dieses getrocknet sein. Frisches Holz lässt sich zwar gut mit Messern bearbeiten, aber nicht Raspeln oder Schleifen. Doch auch die Fähigkeit, nach Biegung wieder in die Ausgangslage zurückzuschnellen steigt mit der Trocknung.

Dabei geht es nicht nur darum, dass das Holz Wasser verliert, sondern auch um das Ablagern und Verhärten der im Holz"saft" gelösten Inhaltsstoffe. Erst wenn dieser Vorgang abgeschlossen ist, und nur, wenn er langsam stattfindet, erhält das Holz seine maximale Elastizität. Daher müssen Hölzer für den Bogenbau, je nach Sorte, mindestens 6 Monate, (Eibe z.B. mindestens 2 Jahre!), unter kontrollierten Bedingungen langsam trocknen.

Holz aus dem Holzhandel ist meist "kammergetrocknet" und daher spröder und weniger leistungsfähig, obwohl es auch geht...

Lagern

Das Lagern von Holz hat vor Allem den Zweck das in den Holzzellen gebundene Wasser entweichen zu lassen. Daneben laufen an den Zellwänden Verhärtungsprozesse durch die im Holzsaft gelösten Inhaltsstoffe (Harze, Zucker, Eiweiße) ab, die die Zellen zusätzlich festigen - WENN der Prozess langsam genug verläuft! Der Bogen wird erst dann eine vernünftige Leistung erbringen können wenn er trocken genug ist. Ein soeben abgeschnittener Ast kann ohne weiteres einige Pfeile abschießen, aber er wird bei weitem keinen effektiven Bogen ergeben, eben so wie eine gekochte Nudel. Das Holz muss also erst auf eine bestimmte Holzfeuchte heruntertrocknen, je nach Holzart ca.8-10%. Dieser Vorgang verringert das Gewicht und steigert die Rückstellkraft der Holzzellen. Zu schnelle Trocknung aber verhindert das Abbinden der Inhaltsstoffe, sie kristallisieren nur, ohne sich zu verketten, was sich mindernd auf die Leistungsfähigkeit des Holzes auswirkt.

Zur Vorbereitung werden die Kanten der Längsseiten etwas "gebrochen", das heißt, gehobelt oder mit den Ziehmesser beschnitten, so dass sie eine (ca.) 1 cm breite Fläche aufweisen, und an der Kante, die in der Stamm-Mitte war, wird der Markkanal vollständig entfernt - auch wenn er von Holz überdeckt ist, es würde dort eh einreißen! Die Längsseiten selber sollte man etwas glätten, wo sie sehr splitterig sind.

Der so fertig bearbeitete Stave hat eine Länge von 1,5 bis 2,2 m, und einen Durchmesser von 5 bis 10 cm. Kürzere Stücke, ab 90 cm Länge, sind ebenfalls brauchbar - wenn man mindestens 2 davon hat! Die ergeben dann einen Bogen, der im Griffbereich "gespleißt", also zusammengesetzt ist.

Der so vorbereitete Stave kann nun als erste Stufe der Trocknung für ca. 1 - 2 Wochen an einem beschatteten, regengeschützten Platz im Freien verbleiben, um der Holzoberfläche erst einmal so viel Wasser zu entziehen, dass kein Pilzbewuchs mehr erfolgt. Danach kann das Holz an dem Platz verbleiben, kann aber auch in einen unbeheizten Innenraum verbracht werden. Beheizte Räume und feuchte Kellerräume sind jedoch ungeeignet. Die meisten Hölzer sind so nach ca. 6 Monaten gebrauchsfähig, lediglich Eibe und ähnlich dichte Hölzer sollten mindestens 1 - 2 Jahre lagern. Diese Zeiträume sind MINDEST-Angaben. Besser ist die jeweils doppelte Zeit! Die Staves sollten dabei nicht "dicht-an-dicht", sondern auf Leisten rundum luftig gelagert werden. Außerdem, besonders in den ersten 2 Wochen, gelegentlich auf Pilzbefall und Schädlingsspuren (Holzmehl!) prüfen. Tritt so etwas auf, muss man sofort reagieren:

  • Pilzbefall:

Hat man es frühzeitig bemerkt (einzelne Punkte), genügt ein Anstrich mit einem milden Holzschutzmittel. Ist es schon fortgeschritten (Pilzrasen), sollte man den befallenen Ring entfernen und dann streichen.

  • Schädlinge:

Stave sofort entrinden, Schädlinge entfernen oder abtöten (Gift, Heißluft, Dämpfen)

Nach Ablauf der Mindest-Lagerzeit können die Staves auch dichter gepackt, also ohne Leisten, zusammengelegt werden.

Den Bogen im Holz finden

Nun also ist es so weit! Ein gut getrockneter, bogenbau-geeigneter Stave liegt vor uns. bevor es aber richtig los geht, müssen noch ein paar grundlegende Entscheidungen getroffen werden:

Den Bogenrücken suchen

Die erste zu treffende Entscheidung ist, welcher Wachstumsring den zukünftigen Bogenrücken darstellen soll! Dies kann der erste, unter der Borke befindliche Ring sein, er kann aber auch mehrere cm tief "im Holz" liegen! Um die Qualität der Ringe gut zu erkennen, empfiehlt es sich, vom Ende des Staves eine dünne Scheibe möglichst glatt abzusägen. Die Auswahlkriterien sind:

  • Splint oder Kernholz?

Das ist von der Holzsorte abhängig!

  • Ring ausgereift?

Wurde das Holz während der Wachstums-Periode geschlagen, ist der äußerste Ring NICHT ausgereift und damit i.d.R. untauglich!

  • Dicke der Ringe?

Ein Bogenrücken sollte mindestens 4, besser 6 mm dick sein. Eine Ausnahme bilden nur Hickory und Eibe, bei denen auch dünnere Ringe relativ zuverlässig funktionieren (Hickory) oder sogar die höhere Qualität darstellen (Eibe).

  • Frühholzanteil?

Das bei ringporigen Hölzern im Frühling wachsende, schwammige Frühholz trägt fast nichts zur Leistungsfähigkeit bei; entscheidend ist der Spätholz-Anteil.

  • Hochfestes Spätholz?

Bei vielen Hölzern kann man an den Ringen erkennen, dass in der 2. Hälfte der Wachstumsperiode das Holz auch INNERHALB des Spätholzes zunehmend dichter gewachsen ist! Ringe mit großem Anteil dieses hochfesten Spätholzes stellen die höchste Qualitätsstufe dar.

Esche Ringe.jpg Esche ringe.jpg

Ist ein geeigneter Ring ausgewählt, wird er, falls es nicht der äußerste ist, mit Bleistift an BEIDEN Stirnseiten markiert (zur Not: abzählen!).

Nun wird der Stave ggf. entrindet. Ist der gewählte Ring der erste unter der Borke, muss dies sehr vorsichtig geschehen! Der Rückenring darf unter keinen Umständen wesentlich verletzt werden!

Mittellinie und Breiten-Verlauf suchen

Die zweite zu treffende Entscheidung ist die zukünftige Mittellinie (Längsachse) des Bogens. Um die Linie festzulegen, am besten eine Schnur längs drüber spannen, und dann mit Bleistift anzeichnen. Dabei gibt es folgende Punkte zu beachten:

  • Äste: Äste im Bogen sind unproblematisch, so lange sie nicht genau im Randbereich liegen und nicht mehr als 1/3 der Wurfarm-Breite an der jeweiligen Stelle einnehmen. Liegt also im fraglichen Bereich ein Ast, wird die Mittellinie entweder so gelegt, dass sie genau da durch verläuft, oder so, dass sie möglichst weit daran vorbei geht! Gibt es mehrere Äste, und liegen die nicht genau auf einer Linie, versucht man, die Mittellinie so da zwischen zu mitteln, dass sie möglichst geringen Abstand zu allen Ästen hat, oder legt sie so, dass zwar ein Ast genau auf der Linie liegt, der andere aber so weit entfernt, dass er nicht mehr im Bogen "landet".
  • Faserverlauf: Die Mittellinie soll dem Faserverlauf, also dem Wuchs des Holzes, so gut wie möglich folgen, zumindest im Bereich der hauptsächlichen Biegung. (Auf den letzten 20 cm an einem Ende darf die Linie gerade weiter gehen, auch wenn die Fasern etwas seitlich "weglaufen"! Ist die Abweichung aber sehr stark, so ab 20°, lieber vermeiden und kürzeren Bogen bauen).

Mitten im WA aber wird dem Faserverlauf gefolgt! Dafür ERST mal gerade durch zeichnen, dann aber, wo es Abweichungen gibt, diese frei Hand nachzeichnen!

  • Ist der Stave nicht ganz gerade - und die meisten sind es nicht - muss man bis zu 3 Mittellinien unterscheiden (und alle 3 beachten!):

1. die Scheitellinie: Die Linie, die über die ganze Länge des Staves immer auf dem höchsten Punkt der Rückenwölbung verläuft. Diese Linie folgt in ihrem Verlauf FAST exakt den Biegungen des Staves. FAST, weil die Rückenwölbung NICHT immer einen exakten Kreisbogen bildet. Ist der Kreisbogen des Querschnitts irgendwo "eingedellt" verschiebt sich die Scheitellinie an der Stelle seitlich.

Diese Line zeichnest Du zuerst auf den Stave.

2. Die idealisierte "End-to-End"-Linie: Diese Linie verbindet die beiden Endpunkte der Scheitellinie mit einer Geraden. Außerdem soll sie im Griffbereich ebenfalls auf der Scheitellinie liegen. WENN Du schon weißt, welcher Wurfarm (WA) der Obere sein wird, darf sie auch 1 cm seitlich liegen, zu der Seite hin, wo später der Pfeil anliegen wird.

3. Die korrigierte und finale Mittellinie: Sie verläuft ZWINGEND im Griff ebenfalls durch die Scheitellinie (oder max. 1 cm daneben, siehe 2.), kann zur End-to-End-Linie aber parallel verschoben sein ODER sie auch kreuzen. Sie ist ebenfalls eine Gerade, geht aber NICHT ZWINGEND durch beide Endpunkte des Scheitellinie, sondern kann

  • in einem Endpunkt liegen, vom Anderen aber bis 1 cm abweichen,
  • bis 1 cm neben BEIDEN Endpunkten liegen, und zwar a) 2x zur selben Seite verschoben, oder b) gegengleich, an einem Ende links, am Anderen rechts verschoben.

Diese Linie ist die spätere Sehnenlage. (Liegt die "End-to-End"-Linie (Nr. 2)schon perfekt, ist eine Korrekturlinie natürlich verzichtbar).

Manchmal ist es aber nötig, an einem oder beiden enden die Scheitellinie zu verlassen, damit die Sehnenlage im Griffbereich noch "passt". Die betroffenen Bogenenden liegen dann leicht schief, was aber nicht stört, wenn es nicht zu viel (unter 30°) ist.

Hast Du die 3. Linie gefunden, kannst Du den Verlauf der BREITE anzeichnen. Und jetzt kommt's:

Dafür zeichnest Du an beiden WA erst mal die Breite an, ausgehend von der 3. Linie, etwa alle 10 cm, aber nur bis ca. 20 cm VOR die Enden. Hast Du für jeden Abschnitt die Breite festgelegt, versetzt Du die Markierungen nun (falls nötig) seitlich, und zwar so, dass sie von der SCHEITELLINIE (1.) zu beiden Seiten den selben Abstand haben! die letzten Abschnitte, von 20 cm vor bis zu den Breitenmarkierungen am Ende jedoch verbindest Du gerade oder, je nach Krümmung, frei Hand in einer leichten Kurve.

NUN erst ist der Verlauf der WA-Seiten fertig festgelegt. Mittellinie.jpg

  • Verlauf der Breite festlegen: Die dritte zu treffende Entscheidung ist die Bogenform und damit der Bogentyp, also das Anzeichnen der Breite. Die Wahl des Bogentyps und deren Abhängigkeit von der Holzart und gewünschtem Zuggewicht ist ein Kapitel für sich, das lasse ich erst mal aus!
  • Wer da unsicher ist, baut erst mal etwa so einen Bogen: 1,70 - 1,75m lang, Griff in der Mitte, 2,5cm breit (wenn genug Holzdicke da ist, um ihn 4 cm dick zu machen, sonst 3 breit) und 12 cm lang, an jeder Seite davon 6 cm Übergangsbereich. Wurfarm (WA) am Übergang 4 cm breit, dies beibehaltend bis 2/3 der WA-Länge, dann linear schmaler werdend auf 1,5 - 1,7 cm. Das passt fast immer!

Beim Anzeichnen der Breite geht man von der Mittellinie aus, in unserem Beispiel also 2 cm zu jeder Seite - und zwar auch und besonders da, wo die Linie, dem Faserverlauf folgend, eine Welle hat!

Im Bereich von Ästen kann man sehen, dass die Holzfasern in einem Bogen da drum herum laufen. Diesem Verlauf muss man ebenfalls folgen, also seitlich entsprechend Holz zugeben! Angenommen, der Ast liegt genau auf der Mittellinie und hat 1 cm Durchmesser. Die Breite ist zunächst durchgehend gerade angezeichnet. Jetzt schaut man sich genau den Faserverlauf im Bereich der Seitenlinie an, und zeichnet ihn nach, und zwar in diesem Beispiel DIE Faserlinie, die auf Höhe des Astes 5 mm Abstand von der Seitenline hat. Der WA hat dann eben da eine Verbreiterung.

Bearbeitungsschritte

Übersicht

  • Breite grob rausarbeiten
  • Rückenring freilegen
  • Breite genau rausarbeiten
  • Dicke grob rausarbeiten (Bodentiller)
  • Sehnenkerben einschneiden
  • Tillern
  • Griffbereich rausarbeiten
  • Feintiller und Schleifen
  • Endbehandlung und Applikationen

Werkzeuge

Dei wichtigsten Werkzeuge sind:

  • Stahllineal oder Zollstock
  • Ziehmesser (= Zugmesser)
  • Grobe Raspel/Feile
  • Ziehklinge
  • Sandpapier (versch. Körnungen)

Optional sind hilfreich: Mehrere unterschiedliche Ziehmesser, Raspeln, Feilen und Ziehklingen, kleiner Einhand-Hobel, Schieblehre

Breite grob rausarbeiten

Dieser Schritt sollte VOR dem Freilegen des Rückens erfolgen, denn das Freilegen ist die schwierigere Arbeit, und Holz, das schon weg ist, muss man nicht mehr freilegen! Man sollte allerdings NICHT bis genau an die Linien gehen, sonder ca. 5 mm Spielraum für Korrekturen belassen, da sich das Holz z.B. noch leicht verziehen kann oder Äste evtl. etwas anders verlaufen, als gedacht! Mit Ziehmesser für's Grobe (bei sehr viel Holz: Beil) und Hobel (für die letzten mm und zur Begradigung) wird an beiden Seiten Holz bis 5 mm vor der Linie weg genommen. ACHTUNG! Im Griffbereich noch nicht! Die beitesten Stellen der Wurfarme am Übergangsbereich zum Griff werden zeichnerisch verbunden und erst mal gerade durchgezogen! So kann man den Rohling für den nächsten Schritt sicherer, und ohne später sichtbare Druckstellen einspannen!

Bogenrücken freilegen

Nun geht's in's Eingemachte, nur wenn der erste Ring unter der Borke schon den Rücken ergibt, entfällt dieser Schritt.

  • Die wichtigste Grundregel: Immer nur einen Ring zur Zeit, über die ganze Bogenlänge entfernen! Nichts ist so bitter, wie wenn man später feststellt, dass man den Super-Rückenring an einer Stelle zersäbelt hat!

Wie gut der Übergang von einem Ring zum nächsten erkennbar, und wie gut ein Ring vom anderen zu trennen ist, hängt von der Holzart ab! Am einfachsten geht es z.B. bei Esche, sehr schwierig ist es z.B. bei Ahorn!

Kann man die Übergänge von Ring zu Ring schlecht erkennen, hilft eine an die Werkbank geschraubte Schreibtischlampe mit Gelenkarm, so dass man den Beleuchtungswinkel variieren kann! Auch auf den ersten Blick homogene Hölzer haben nämlich zwischen Frühjahrs- und Herbstholz gewisse Dichte-Unterschiede, die man bei bestimmten Beleuchtungswinkeln schemenhaft erkennen kann! Hat man den Überblick mal totatl verloren, hilft das Anfeuchten der Stelle, an der man gerade arbeitet. Bereits angeschnittene Fasern quellen dabei auf und man sieht wieder, wo gerade der Übergang ist. Einfach mit feuchtem Lappen drüber wischen.

Müssen mehrere cm Holz runter (das kann z.B. bei Robine der Fall sein, wo oft nur die ersten 10 Jahresringe breit genug sind!), kann man auch die Vorarbeit mit dem Beil machen; aber nicht dichter als 1,5 - 2 cm an den "Zielring" ran! Um den Überblick zu behalten, am besten vorher den "Zielring" über die ganze Länge auf beiden Seiten mit Bleistift (B2 oder weicher) markieren!

Ansonsten wird v.A. erst mal mit dem Ziehmesser gearbeitet. Ist der letzte Ring VOR dem Rücken schon dick genug, und/oder das Holz hat einen deutlichen Frühholzanteil, kann man auch den letzten Ring noch mit dem Ziehmesser "ausdünnen", bis auf ca 2mm an den Rückenring ran, bzw, bis AUF das Frühholz. KEINESFALLS aber bis auf den Ring mit dem Ziehmesser schneiden, die Fehlergefahr ist einfach ZU hoch!

Weiter da drüber liegende Ringe allerdings kann man bis AUF den nächsten mit dem Ziehmesser wegschneiden. Ein geübter Bogner schafft das pro Ring in wenigen Minuten, es muss ja nicht "blitzsauber" werden! Eine Ausnahme gibt es aber:

Im Bereich einer Welle (Buckel oder Senke) oder eines Astes (wo es meist zugleich einen Buckel gibt), legt man besser das Messer zur Seite und macht die Stelle mit der Raspel oder Ziehklinge.

Ist man dicht VOR dem anvisierten Rückenring angekommen, macht man den Rest entweder mit der Ziehklinge oder einer flachen Raspel, (wobei eine ältere, etwas stumpfe Raspel besser geht als eine frische)!

Man beginnt im Griffbereich und dort am Rand. Mit sanften Strichen quer zur Faser, also rechtwinklig zur Bogen-Längsachse, wird fast OHNE Druck der Rest des letzten Rings von Bogenrücken "runter geschoben", er soll quasi "wegsplittern"! Mit etwas Übung geht das fast völlig ohne Verletzungen der da drunter liegenden Ring-Oberfläche, da die normaler Weise deutlich härter ist, als das drüber liegende Frühholz! Raspel immer flach führen, nicht verkanten!

Gibt es doch mal einen Kratzer: kein Problem, hinterher rausschleifen!

Nur im Bereich von Wellen oder Ast-Buckeln wird es heikel; denn auch hier soll die Ringoberfläche unverletzt bleiben! Am besten nähert man sich der schwierigen Stelle von BEIDEN Seiten her so gut es geht, an, und macht den Rest dann mit der (nierenförmigen) Ziehklinge oder einer Messerspitze! Alternativ einfach um den Ast herum einen Teil des drüber liegenden Ringes belassen! Übergänge sanft auslaufend verschleifen, dann kann es so bleiben!

Dieser letzte Schritt des Freilegens DARF, je nach Holz und schwierigen Stellen, 1 - 2 Stunden dauern! Es lohnt sich aber, es GANZ sorgfältig zu machen!

Ist es vollbracht, Oberfläche gleich noch mal schleifen, so wenig wie möglich, aber so viel, das absolut KEINE Bearbeitungsspuren mehr zu sehen sind, auch nicht im Schräglicht!

  • Warnung! NIEMALS den Bogen krümmen, so lange auf dem Rücken noch Raspelspuren sind!

Bodentiller

Durch das Freilegen des Rückens wurden die Linien, mit denen man die Breite angezeichnet hatte, entfernt. Außerdem hat nun, besonders wenn viel Holz runter musste, ein Ast evtl. eine etwas andere Lage. Auf jeden Fall muss nun, wenn nicht der erste Ring unter der Borke der Rücken ist, die Mittellinie und Breite neu angezeichnet werden, gelegentlich eben auch etwas anders, als ursprünglich gedacht! Im Extremfall kann es sogar sein, dass ein mit 5 cm Breite geplanter Bogen nun (wg. Ästen) nur noch 3,5 cm breit werden kann. Wie gut, wenn wir in der Dicke noch Spielraum haben...

Mittels Schnur wird eine neue Mittellinie festgelegt und mit Bleistift skizziert (Achtung! Ganz zart! Der Rücken ist ja quasi fertig!). Daran wird die Breite symmetrisch angezeichnet.

Eigentlich könnten jetzt die Seiten bis genau an die Breiten-Linien ran bearbeitet werden (Griffbereich immer noch grade durchgehen lassen!). Ist aber noch VIEL zu viel Holz in der Dicke da, kann man das erst mal grob ausdünnen, dann lassen sich die Seiten leichter bearbeiten!

Wie viel Dicke muss denn bleiben? Tja, das ist nicht pauschal zu sagen! Für das Beispiel von oben (Wurfarm am Übergang 4 cm breit, dies beibehaltend bis 2/3 der WA-Länge, dann linear schmaler werdend auf 1,5 - 1,7 cm.) könnte man ebenso pauschal sagen: An der breitesten Stelle direkt hinter dem Übergangsbereich vom Griff 2 cm, linear dünner werdend auf 1,2 cm (10 cm vor dem Ende) dann bei 1,2 cm bleibend. Das sind noch NICHT die Endmaße! Außerdem wird es ab hier schwierig, allgemeingültige Aussagen zu machen, denn jetzt gibt es sehr viele Varianten! Ob der Rohling mit diesen Maßen aufgespannt 40, 60, oder 80# Zuggewicht hätte, ist vom Holz abhängig, und kann selbst bei der selben Holzart in dem Spektrum variieren - und ein Rattan-Bogen hätte so keine 20#! Die Abschätzung der richtigen Dicke, selbst in diesem Vorstadium, erfordert viel Erfahrung! Also müssen wir uns ran tasten! Wer unbedingt einen starken Bogen machen will, gibt lieber erst mal 5 mm dazu! Die Bauchseite wird auf jeden Fall in diesem Stadium noch flach gearbeitet. Gemessen wird die Dicke übrigens in Wurfarm-Mitte! Je nach Krümmung der Oberfläche kann dabei der Rand deutlich dünner ausfallen! Wichtig ist aber, dass der Rand auf beiden Seiten GLEICH dick ist! Fällt der Rücken in einem Abschnitt zu einer Seite stärker ab, MUSS der Bauch in dem Abschnitt ebenfalls (im Verhältnis zum Rest) schräg werden!

Ist die Dicke so (grob) hergestellt, werden die Seiten rechtwinklig zum Bauch bis an die Breiten-Linie heran weggenommen. Die scharfen Kanten werden leicht mit Sandpapier überschliffen, und nun können wir ihn zum ersten Mal ein klein wenig krümmen:

Dafür stellt man sich hin, greift den Bogen mit einer Hand im Griffbereich, Bogenbauch nach oben, mit der anderen am Ende, und setzt das freie Ende auf den Boden, so dass der Bogen schräg steht; dann drückt man leicht den Griffbereich durch, max. 5 cm, während die andere Hand das Ende dagegen hält: der Bodentiller! Lässt sich der WA noch GAR NICHT so biegen, können noch 5 mm Dicke runter! Biegt er sich aber etwas durch, ist es genau richtig. Biegt er sich nur am Ende, kann man den Dickenverlauf etwas flacher machen: Wir waren bei 2 cm griffnah, 1,2 cm am Ende, man könnte dann auf 1,7 cm griffnah und 1,2 cm am Ende gehen. Biegt er hingegen am Ende nicht, aber schon im griffnahen Bereich, etwas steiler machen, also 2 cm griffnah, 1 cm am Ende...

Nun wird der Bogen anders herum auf den Boden gesetzt, also das Ende, das oben war kommt auf den Boden. Mit der selben Kraft drücken, wie gehabt korrigieren. Biegen sich beide WA in etwa gleich, ist es Zeit für die Sehnenkerben, der Bodentiller ist beendet!

Sehnenkerben einschneiden

Gleich vorweg: Der häufigste Fehler von Anfängern ist, aus "Angst" die Sehnenkerben zu zaghaft zu machen! Mit der Erfahrung aus über 250 gebauten Bogen verspreche ich Euch: Zwischen den Sehnenkerben müssen nicht mehr als 6 - 8 mm Holzbreite stehen bleiben! Das hält! Mein Wort drauf! Haben wir im Beispiel oben die Enden 15 mm breit belassen, können wir nun getrost zwei mal 3 - 4 mm tief einkerben! Damit bleiben 7 - 9 mm stehen, was auch bei höheren Zuggewichten völlig ausreicht. Aber halt, EINE Ausnahme gibt es: Eibe! Eibe ist erstens sehr weich und zweitens sehr spaltfreudig! Darum haben stärkere Eibenbogen auch meist Hornnocken oder zumindest Horn-Overlays! Die schmalsten Kerbenbereiche, die ich je gesehen habe, waren an einem geschätzt 50#-Osage-Bogen; da waren noch 3 mm Holz zwischen den Kerben - und er hielt wunderbar! Das ist sicher extrem! Bei durchschnittlichen Hölzern ist man aber ab 6 mm auf der sicheren Seite! Wichtig ist nur: Die Kerben werden NUR an der Seite eingeschnitten NIE in den Rücken! Ich kenne zwar auch Bogen, wo das gut gegangen ist, aber rate dennoch dringend davon ab! Es gibt keinen Grund, das zu tun!

  • Sehnenkerbe.jpg

(Robinien-Flachbogen, Rückenansicht)

Bei flachen Wurfarmen, so 6 mm oder weniger, kann man die Kerben einfach rechtwinklig herstellen. Bei dickeren WA empfiehlt sich, sie bauchseitig etwas in Richtung Griff abzurunden, außerdem kann man sie bauchseitig auch etwas zur Mittellinie hin ausweiten.

Alle Kanten der Kerben müssen auf jeden Fall schön abgerundet werden, damit die Sehne nicht verletzt werden kann.

Ich stelle die Kerben mit einer 5 mm dicken Rundfeile her, bei harten Hölzern auch mit dem Kugelfräser in der Dremel-Multi.

Der Abstand vom Ende sollte mindestens 1,5 cm betragen, damit man noch eine Spannschnur mit Ledersäckchen verwenden kann.

  • Spannmethoden.jpg

Will man eine Spannschnur mit Schlaufen benutzen, braucht man zumindest an EINEM Bogenende zusätzlich eine zweite Kerbe, die Spannkerbe. Dann würde man die Sehnenkerbe im Bereich 1,5-2 cm vom Ende anlegen, und mit 5 mm Abstand dazu, also im Bereich 0,5-1 cm die Spannkerbe. (Die Spannkerbe darf man übrigens auch in den Rücken einschneiden, da beim Spannen nur relativ geringe Belastungen auftreten!)

  • Sehnenkerbe2.jpg

(Ulmen-ELB, mit Spannkerbe, Seitenansicht)

Beim Herstellen der Kerben muss man eigentlich nur darauf achten, dass sie auf einer Linie genau rechtwinklig zur Mittelachse sitzen, tief genug, und an allen Kanten gut abgerundet sind. Eine sorgfältige und gleichmäßige Ausführung ist aber immer ein deutliches Zeichen dafür, wie sorgfältig der Bogenbauer arbeitet, und damit sind sie auch Aushängeschild des Bogens!

Overlays werden am besten VOR dem Einschneiden der Kerben aufgeklebt. Sie sollten, vom Ende her gemessen, 2 cm länger sein als die Lage der Kerben.

Tillersehne

"Tillern" bezeichnet den wichtigsten und schwierigsten Teil des Bogenbaus! Erst durch das sorgfältige Tillern wird aus dem "Stock mit Schnur" etwas, das die Bezeichnung "Bogen" wirklich verdient!

Das Tillern hat dabei 2 Funktionen:

  • Erstens wird das Holz langsam an die Belastung gewöhnt. Die Fasern passen sich zum Teil an, indem sie sich dauerhaft strecken oder stauchen.
  • Zweitens wird durch gezielte Bearbeitung zu steifer Stellen die Belastung gleichmäßig auf möglichst viel Holz "verteilt", damit nicht eine Stelle punktuell überlastet wird.

Da man in der Regel die erforderliche Länge der zukünftigen Bogensehne noch nicht kennt, nimmt man zum Tillern erst einmal eine Behelfssehne, die Tillersehne. Das kann einfach ein ca. 3,5 mm dickes, geflochtenes Polyesterseil aus dem Baumarkt sein! Von Paketschnur u.Ä. rate ich ab, denn wenn die Tillersehne reißt, ist eventuell der Bogen zerstört!

Die Tillersehne bekommt an einem Ende eine feste Schlaufe, am anderen Ende wird sie mit einem Knoten befestigt, der so gemacht sein muss, dass er zwar ohne zu verrutschen hält, aber dennoch leicht wieder zu öffnen ist, denn im Verlauf des Tillerns MUSS die Sehne mehrfach verkürzt werden!

  • Tillerschnur.jpg

Tillerstock

Das zweite, was man haben sollte, ist ein Tillerstock. Das ist ein ca. 80 cm langes Kantholz (oder dickes Brett), das senkrecht stehend verwendet wird (z.B. in Schraubstock einspannen) und oben eine Aussparung hat, in die der (zukünftige) Bogengriff gelegt werden kann (gegen Druckstellen mit Leder auskleiden !) und ab ca. 15 cm Abstand von oben alle gut 2,5 cm eine ca. 2 cm tiefe Einkerbung auf der Vorderseite hat, in die die Sehne eingehängt werden kann. Dies dient 1. als Maß für die jeweiligen Auszugweiten, außerdem dazu den Bogen im gezogenen Zustand durch Zurücktreten mit etwas Abstand betrachten zu können.


(Das Anschrauben eines Abschnitts gibt, wie hier gezeigt, die Möglichkeit, die Sehnenlage mittig unter dem Griff zu haben!)

Die "Luxusausführung" des Tillerstocks ist die Tillerwand! Das ist eine an die Wand geschraubte Bogenhalterung, anstelle der Kerben gibt es da drunter nur eine Skala, und im unteren Teil eine Umlenkrolle. Die Sehne wird mittels eines Hakens "gefasst", der mit der Schnur über die Umlenkrolle nach unten gezogen werden kann. So kann man aus einer Distanz den Bogen ausziehen ! Zusätzlich kann man an der Wand parallele Linien bzw. ein Gitter-Raster anzeichnen, uns so besser die Krümmung der Wurfarme zu vergleichen. Hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich! Im Weiteren gehe ich vom Tillerstock aus.

Tillerstock.jpg

Tillern

Lexikon:

Als "Tillern" bezeichnet man den Vorgang, den Bogen so zu bearbeiten, das er sich harmonisch (und ohne Schaden zu nehmen) biegt.

Dafür werden durch vielfach wiederholtes Ziehen und dabei Prüfen der Biegung die noch nicht optimal biegenden Stellen ermittelt und markiert. Je nach Bearbeitungsstand wird mit (feiner werdend) Ziehmesser, Raspel, Schweifhobel, Ziehklinge oder Sandpapier dort Holz an der Bauchseite weg genommen, wo der Bogen noch zu steif ist.

Haben wir Sehnenkerben eingeschnitten, Tillersehne und mind. Tillerstock bereit, geht es los!

Zuvor aber noch schnell ein paar grundsätzliche Anmerkungen:

  • 1. Vor jeder Kontrolle des Tillers, nach jeder Bearbeitung oder bei jeder Erweiterung des Auszugs zur nächsten Kerbe wird der Bogen 30, besser 40x gezogen! Das Holz muss auf die Veränderung erst reagieren können! Das Ziehen erfolgt langsam, das Zurückführen ebenso.
  • 2. Erweitert man den Auszug zur nächsten Kerbe, dann erst, wenn der Bogen sich bei der Vorherigen perfekt krümmt! NIE, wirklich NIEMALS vorschnell weiter Ausziehen als 1 Kerbe weiter und niemals, wenn er noch steife oder schwache Stellen hat!! Überlastung der schwächsten Stelle wäre die Folge!
  • 3. Spätestens alle 2 - 3 Kerben wird das aktuelle Zuggewicht bei diesem Auszug mit einer Federwaage kontrolliert! Niemals den Bogen auf mehr Zuggewicht ziehen, als er im Endzustand haben soll!


4. Mit zunehmendem Auszug muss die Tillersehne verkürzt werden! Würde man mit der Startlänge bis zum vollen Auszug perfekt tillern, und dann den Bogen auf Standhöhe bringen, wären die Bogenenden VIEL zu schwach! Grund ist, dass eine überlange Sehne einen völlig anderen Zugwinkel hätte! Das Verkürzen der Tillersehne geschieht anhand der Standhöhe, also dem Abstand Sehne-Griff im aufgespannten, aber nicht gezogenen Zustand! Zu Beginn des Tillerns ist der Abstand 0 cm und bleibt auch so, bis etwa 1/3 der Auszugweite. Die Tillerschnur wird lediglich nachgespannt, wenn sie sich gedehnt hat, sie sollte nicht "schlabbern". Ist man bei 1/3 Auszug angelangt, verkürzt man die Sehne so, dass etwa 5 cm = 1/3 der späteren Standhöhe (15 cm) erreicht werden. So macht man weiter. Bei 1/2 Auszug angekommen, verkürzt man wieder, auf 2/3 Standhöhe (10 cm). Bei 2/3 Auszug wird ein drittes Mal verkürzt, nun auf volle Standhöhe (15 cm). So dann zu Ende Tillern bis zum Vollauszug, i.d.R. 28" (Zoll) = gut 71 cm - gemessen wird der Auszug übrigens von Bogen-Vorderkante bis zur Sehne im entferntesten Punkt.

Für den Anfang wird die Länge der Sehne also so bemessen, dass sie gestreckt ist, den Bogen aber noch NICHT krümmt, Standhöhe = 0 cm.

Der Griffbereich wird in den Tillerstock gelegt (Ist der Griffbereich dafür zu breit - wir hatten ihn ja bisher noch nicht ausgearbeitet, kann man ihn GROB herausarbeiten; aber noch NICHT bis an die Linien heran, besser noch beiderseitig 5 mm Abstand halten), die Sehne wird dann bis zur ersten Kerbe 30 - 40x gezogen und eingehängt.

Den so gezogenen Bogen betrachten wir einmal mit etwas Abstand von der Seite, einmal peilen wir ganz aus der Nähe von Griffbereich aus an jedem WA entlang. bei diesem, minimalen Auszug sollte sich auch nur eine geringe Krümmung zeigen, und zwar in der jeweils zum Ende hin liegenden Hälfte der Wurfarme! Die jeweils griffnahe Hälfte sollte jetzt noch NICHT mitbiegen! Dennoch soll schon so die Krümmung, wo sie denn stattfindet, als gleichmäßig sanfte Kurve ohne auffällige Kickpunkte verlaufen, und vor Allem an beiden WA in etwa gleich! Ist das NICHT so, wird nachgearbeitet.

Ist ein WA deutlich stärker, wird der Bogen abgespannt, und am stärkeren WA bauchseitig etwas Holz abgetragen. (Wurde der Bodentiller (s.o.) richtig gemacht, kommt das aber nicht vor)!

Danach wieder aufspannen, 30 x ziehen, einhängen, kontrollieren. So oft, bis es passt!

Die Abnahme von Holz erfolgt in der Regel nur auf der Bauchseite; jede Reduzierung des Rückenrings steigert die Bruchgefahr! Eine Ausnahme wäre zum Beispiel ein Bogen aus einem Rattan-Stab, der so herum gebaut ist, dass die natürliche Rundung den Bauch bildet, oder ein Bogen aus/mit Bambus! Rattan so herum MUSS man, und Bambus KANN man auf dem Rücken reduzieren.

Ist beim Auszug bis zur ersten Kerbe kein Fehler zu erkennen, zieht man x-mal bis zur 2. Kerbe und hängt dort ein. Wieder aus Distanz betrachten und längs peilen. Zu steife Bereiche am Bauch mit Bleistift markieren, abspannen, etwas Holz wegschaben (Ziehklinge), aufspannen, ziehen, einhängen, gucken... u.s.w.. Der Verlauf des Tillerns sollte etwa so voran gehen:

  • Tillermuster.jpg

Das Beispiel zeigt einen durchschnittlichen Langbogen, egal ob Elb oder flach! Kurze Bogen und sehr starke LB MÜSSEN evtl. die griffnahe Hälfte, evtl. sogar den Griffbereich selber, stärker mit nutzen, um die Spannung ausreichend zu verteilen! Lasst Euch auch NICHT von Tillerkurven anderer Bogentypen (Kompositbogen, Reflex-Deflex-Laminatbogen etc.) verwirren! Da kann die optimale Biegung GANZ anders aussehen! Bei unseren Beispiel hier, gerader Selfbow, ist es so, und NUR so richtig!

Zu Beginn arbeitet er nur in der Hälfte zum Ende hin; je weiter es voran schreitet, desto mehr Holz in Richtung Griff arbeitet mit. Der Bogen "rollt" sich sozusagen "vom Ende her auf"! Beachtet aber, dass das allerletzte Stück am Ende immer steif bleibt, und auch bei Vollauszug der Schwerpunkt, also die maximale Krümmung etwas oberhalb der WA-Mitte liegt, und zum steifen Ende und zum Griff hin abnimmt.

Ein so gebauten Bogen hat die größte Effektivität und die beste Lebensdauer!

Unterer Wurfarm

1. Der untere Wurfarm (WA) soll etwas SCHNELLER sein als der obere! Dadurch ist die Bewegungslinie des Nockpunktes nicht genau rechtwinklig zur Längsachse des Bogens, sondern minimal "vorn hoch", was dazu führt, dass der Pfeil minimal von der Auflage (egal, ob hart oder Hand!) angehoben wird. Beim Schießen über die Hand reduziert das den "Reibeschaden", aber auch beim Schießen über Auflage/shelf verbessert es den Schussablauf.

2. Damit der untere WA schneller ist, muss er entweder leichter oder stärker sein. Oder beides.

3. Damit der untere WA leichter / stärker ist, kann er kürzer sein. Dann ist er beides.

Sind beide WA gleich lang, muss er dicker sein. Zwar wäre er auch leichter, würde man ihn dünner macher, aber dann wäre er auch schwächer, und zwar (meistens!) MEHR als er leichter ist. Also geht nur dicker, und zwar so viel, dass er trotz Mehrgewicht schneller ist.

4. In einigen Fällen, nämlich dann, wenn zufällig der untere WA

  • leichter ist, weil das Holz im oberen WA dichter (=schwerer) ist
  • schneller ist, weil er mehr Vorspannung (Reflex!) hat,
  • schneller ist, weil er durch Abweichungen in der Holzstruktur steifer ist,

etc.

KANN ein Tiller auch dann im hier besprochenen Sinne richtig sein, wenn der untere WA weder kürzer noch dicker ist! Das sind Sonderfälle....

Nun zum Bogen-Gesamtdesign:

5. In der Regel macht man bei langen Bogen (über 1,60m) den Griff leicht nach unten versetzt. Sonderfälle (sh. 4.) ausgenommen, ergibt sich damit quasi automatisch unten ein kürzerer>stärkerer + leichterer>schnellerer WA, selbst bei gleicher Dicke. Der Tiller stimmt. Das ist der klassische LB-Weg!

6. Bei kurzen Bogen (unter 1,60m) könnte ein asymmetrischer Griff den unteren WA überlasten (Biegeradius! Natürlich abhängig von Auszug!!). Daher empfiehlt sich für kurze Bogen eine Grifflage in der Mitte. Dann muss man (im Sinne von 3.) den unteren WA etwas dicker auslegen.

7. Den richtigen Tiller (im hiesigen Sinne) feststellen:

a) Ist das Holz gerade und gleichmäßig, kann man es über die Standhöhe messen: Bei aufgespannter Sehne misst man den Sehnenabstand WA <-> Sehne in der (Längen-)Mitte jedes Wurfarms. Ist der Sehnenstand beim unteren WA 3 - 5 mm geringer (je nach Bogenlänge), ist der untere WA stärker. Ziel erreicht.

b) Leider kann man Unterschiede der Dichte / Steifigkeit zwischen den Wurfarmen nicht immer unbedingt "von außen" erkennen! Daher hat Kra recht, wenn er dem Bauvorgang noch mal eine sensible "praktische Prüfung" folgen lässt. Leider erfordert dies ein gewisses Maß an Erfahrung, so dass ein Anfänger da vom GEFÜHL her nichts bemerkt.

Dennoch gibt es einen Hinweis: Ist der Bogen scheinbar richtig getillert, und der Nockpunkt richtig gesetzt, und die Pfeile kommen dennoch nicht "wie an der Schnur" aus dem Bogen, sondern "reiten" im Flug (wedeln auf und ab), bzw. - das Selbe ist: Muss man den Nockpunkt, damit die Pfeile sauber raus kommen, so weit nach oben setzen, dass der Pfeil deutlich sichtbar "hinten hoch" eingenockt wird, ist beides ein Hinweis, dass der untere WA NICHT schneller ist!

c) besonders schwierig ist es, wenn Äste, Wellen, Reflex- / Deflexbereiche etc. das mm-genaue Nachmessen der Standhöhe (im Sinne von a)) unmöglich machen! Dann bleibt nur die Prüfung nach b) - oder genug Erfahrung, um es abschätzen zu können....

Schwierige Stellen

Da Holz nun mal nicht am Linal wächst, und ein Baum zum Leben Äste benötigt, er außerdem auch mal Beschädigungen ertragen muss, kann es bei der Bearbeitung eines Staves zu vielfältigen "Überraschungen" kommen, die einem die Bearbeitung erschweren, im Extremfall sogar dazu führen, dass ein Stave sich auch jetzt DOCH noch als unbrauchbar herausstellt. (Letzteres ist zum Glück selten!).

Die häufigsten Erschwernisse sind:

  • Äste
  • Knäste und Totäste
  • vertikale Wellen (Reflex oder deflex)
  • horizontale Wellen oder seitlich herauslaufende Fasern
  • Wurmlöcher und Fraßgänge
  • Trockenrisse
  • harte, weiche oder "rubbelige" Stellen

Äste

Schon bei der Auswahl der zu verwendenden Stamm-Partie bzw. des Staves, bei der Festlegung der Mittellinie und des Breiten-Profils kann man störenden Ästen "aus dem Weg gehen"! Auch wenn ein breiter Flachbogen gewünscht ist - läge da ein Ast im Randbereich, macht man den Bogen lieber schmaler, als dass man stundenlang mit so einem Ast "kämpft" oder der Bogen später bricht! Es gilt IMMER: Das HOLZ bestimmt die Form, der Bogenbauer folgt dem nur!

Liegen mehrere Äste in einer versetzten Linie, ist es besser, einen davon in Wurfarm (WA)-Mitte zu haben und einen zu umgehen, als dass 2 im Randbereich liegen.

(Übrigens: Alle Äste verlaufen im Stamm immer in einer Linie von der Borke zum Mark, also zur Stamm-Mitte! da muss man beachten, wenn noch einige Ringe vom Rücken runter sollen, in der Regel "wandert" ein Ast immer weiter zur Mittellinie, je tiefer man in's Holz geht. Also nicht nur den Rücken betrachten, sondern überlegen, wie der Ast im Holz verläuft!).

Ein Ast, der fest verwachsen ist (Totäste behandeln wir weiter unten!), und NICHT genau im Randbereich des Holzes liegt, kann bis zu 1/3 der WA-Breite dick sein, ohne dass er die Leistungsfähigkeit des Holzes beeinträchtigt. Ist er allerdings breiter als 1/4 der WA-Breite oder zeigt er Querrisse, würde ich zur Sicherheit in dem Bereich seitlich etwas Holz zugeben! Faustregel: Angenommen, der WA wär (ohne Ast) an der Stelle 3 cm breit. Der Ast hat 8 mm Durchmesser. Gibt man nun seitlich an jeder Seite 4 mm dazu, hat man auch in dem Abschnitt wieder 3 cm astfreies Holz! Ich mache das (gedanklich) so, dass ich einen Zirkel nehme, ihn (bei diesem Beispiel) auf 3,8 / 2, also 1,9 cm spreize, ihn mittig im Ast ansetze, und um den Ast einen Kreis zeichne. Das Holz IM Kreis bleibt stehen. Der WA hat um den Ast herum also an jeder Seite eine kleine "Beule". Übrigens: Schaut man sich mal genau den Verlauf der Holzfasern an, bemerkt man, dass "der Baum auch selber schon auf diese Idee gekommen ist"! Die Fasern laufen um den Ast in einer Kurve herum. Und dieser folgt man eben!

Da, wie gesagt, der Baum "um den Ast herum" wächst, hat das Holz oft im Bereich von Ästen auch eine Wölbung nach oben, also der WA-Rücken einen "Buckel". Diesen Buckel darf man auf KEINEN Fall "planieren"! Entweder, man legt ihn unverletzt frei, oder man lässt sogar da drüber einen zusätzlichen Ring stehen! Das verstärkt zwar den "Buckel" noch, schützt aber den Buckel selber vor Fasrverletzung beim Freilegen. So eine "Astverstärkung" wird einfach glatt verschliffen auf dem Rücken belassen und hebt den individuellen Charakter des Bogens als Naturprodukt!

Ist es DOCH passiert, und man hat die Fasern um den Astbuckel herum verletzt, gibt es 2 Möglichkeiten: Entweder noch einen ganzen Rückenring runter nehmen (wenn der Nächste da drunter auch geeignet ist, und man bauchseitig noch genug Holz hat), oder über die Beschädigung ein lokal begrenztes Backing anbringen. So ein "Pflaster" kann aus zugfestem Holz, Rohaut, Glasfasermatte oder festem Stoff (Hanf, Leinen) bestehen und wird mit Epoxid oder Holzleim aufgeklebt. Ist der Bogen endgültig fertig, bringt man vor dem Lackieren bzw. Ölen über dem Pflaster noch eine stabile Wicklung aus Hanf- oder Leinengarn an, die verhindert, dass sich das "Pflaster" ablöst. Auch diese Wicklung wird mit dem selben Kleber wie das Pflaster versehen, also quasi "in den Kleber" gewickelt!

Auch auf der Bauchseite laufen die Fasern um den Ast herum anders. Was am Rücken ein Buckel war, ist am Bauch ein "Trichter". Der muss jedoch NICHT herausgearbeitet werden, den Bauch kann man einfach "gerade durch" arbeiten. Bricht das Holz aber zufällig selber dort etwas "trichterförmig" aus, schadet das nicht! Einfach so lassen! Wer sich aus optischen Gründen da dran stört, kann alternativ den Ast bauchseitig heraus bohren und ein Stück Holz (als Holzdübel) dafür einsetzen. Bohrtiefe aber maximal bis zur 1/2 WA-Dicke. Und als Holzdübel Holz vom selben Stamm nehmen! Und natürlich die Faserrichtung beachten!! Kleinere Ausrisse einfach mit Epoxi füllen und nach dem Aushärten glatt schleifen.

Knäste und Totäste

Ein Knast ist eine Störung der Holzstruktur, die in der Regel durch eine Verletzung oder einen überwachsenen Totast hervorgerufen wird. So lange die Fasern auch dort unverletzt durchlaufen, braucht man so eine Stelle nicht gesondert zu behandeln. Man muss aber damit rechnen, dass die Stelle eine höhere Dichte und damit eine größere Steifigkeit aufweist.

Totäste sind abgestorbenes und in der Regel morsches Holz. Sie reduzieren die Festigkeit in dem Bereich vollständig, müssen also so behandelt werden, als sei dort ein Loch! Oft fallen sie bei der Bearbeitung tatsächlich heraus! Es gibt 2 Möglichkeiten, damit umzugehen:

1. Ausbohren und ersetzen. Kleinere, bis ca. 6 mm Durchmesser fülle ich einfach mit Epoxi, dem ich klein geschittene Glasfasern zufüge (Achtung!! Nur mit Staubmaske!!). Größere werden durch Holz aus dem selben Stamm ersetzt, wobei der Verlauf der Faserrichtung unbedingt zu beachten ist. In beiden Fällen muss der Totast so weit ausgebohrt werden, dass im Randbereich kein totes Holz mehr verbleibt, das Loch muss also innen rundum aus gesundem Holz bestehen! Bei ersetzten Stellen von mehr als 1 cm Durchmesser, würde ich zusätzlich auf dem Rücken ein Pflaster anbringen, wie unter "Äste" beschrieben. Nur zur Sicherheit!

2. Breite zugeben. Wie schon oben unter "Äste" beschrieben, wird um den Totast herum genau die Breite, die durch den Ast "verloren" ist, seitlich zugegeben. Das Tote Holz kann dann, fällt es nicht von selber heraus, sogar entfernt werden und als Loch verbleiben. Sieht kurios aus und sehr individuell! Ränder des Loches sorgfältig abrunden!

vertikale Wellen (Reflex oder deflex)

Die Ursache für eine solche Welle kann ein Knast, Ast, aber auch der natürlich-wellige Wuchs der Holzsorte sein. ( besonders wellig wachsen Eibe, Kirsche und manchmal Ulme). Im Umgang damit muss man reflexe und deflexe Wellen unterscheiden. Reflex heißt, der Rücken bildet eine Senke, deflex heißt, der Rücken bildet einen Buckel.

Reflexe Welle: Egal wie stark die Welle ist und wie lang: Die Bauchseite muss dem Verlauf der Welle "sklavisch" folgen! Das hört sich leichter an, als es ist, denn der Wurfarm (WA) ist in der Regel ja "getapert", wird also zum Ende hin ständig dünner! Und das muss auch im Bereich der Welle so bleiben! Besonders schwierig wird es, wenn die Welle asymmetrisch ist, also an einer WA-Seite stärke als an der anderen.

Zuerst werden die WA-Seiten begradigt, so dass sie über die ganze Dicke eine glatte Fläche haben. Dann zeichnet man auf beide Seiten mit Bleistift und einem Lineal parallel zum Rücken eine gerade Linie durch, und zwar so, dass die Linie nicht im Bereich der Welle unterbrochen wird, ich sage als Beispiel mal: vor und hinter der Welle mit 6 mm Abstand vom Rücken, ergibt im tiefsten Punkt der Welle dann vielleicht 1 mm Rückenabstand. Eine zweite Linie an jeder Seite kennzeichnet die Bauchseite. Angenommen, griffseitig vor der Welle, soll der WA 15 mm dick sein, hinter der Welle noch 13 mm. beide Punkte zeichnet man an und verbindet sie, wieder als gerade Linie.

Anhand der ersten, rückenparallelen Linie kann man nun an jedem Punkt der Welle genau messen, um wie viel der Rücken von der geraden Linie abweicht, im tiefsten Punkt der Welle waren das hier 5 mm. Diese 5 mm gibt man nun da zur "Bauchlinie" dazu, macht also einen Punkt 5 mm unter der Bauchlinie.

Auf die Weise kann man mit 1 Messpunkt pro cm Länge den Verlauf des Rückens RELATIV zum Taper präzise auf die Bauchseite übertragen.

Dies macht man auf beiden WA-Seiten. Die einzelnen Punkte auf jeder Seite werden dann untereinander verbunden, und man kann die Bauchseite mit Taper ohne Probleme exakt und getapert herausarbeiten.

Rückenseite

  • Welle1.jpg

Bauchseite

Besonders dann, wenn die Welle an den beiden WA-Seiten unterschiedlich stark ausgeprägt ist, muss man sie so an beiden Seiten anzeichnen. Beim Herausarbeiten werden dann die jeweils rechtwinklig zur Längsachse gegenüber liegenden Punkte geradlinig vebunden ausgearbeitet. Die Bauchseite wird damit evtl. schräg. Das ist so richtig! Soll der Bauch gerundet ausgeführt werden, wäre das Abrunden der nachfolgende, 2. Schritt! Achtung!!: Beim Abrunden ist peinlich genau drauf zu achten, dass an beiden WA-Seiten gleich viel Holz abgetragen wird. Auf keinen Fall sich dazu hinreißen lassen, dabei die eben entstandene Schräge zu begradigen! Tipp: Auch wenn der Bauch später ganz rund sein soll: für das Tillern in der Bauchmitte hier eine ca. 5 mm breite, flache Stelle belassen, damit man den Winkel der Schräglage noch erkennen und das Holz im richtigen Winkel abtragen kann!

Hinweis: Rechne damit, dass sich eine reflexe Stelle STEIFER verhält, als ein gleich dickes, gerades Stück! Trotzdem erst mal in der Dicke ausführen, als wäre die Stelle gerade, und erst beim Tillern vorsichtig dünner machen. Dabei liegt die Betonung auf VORSICHTIG, denn der Moment, wo die Stelle mitbiegt, kommt sehr plötzlich! Hat man dann gerade zu viel weg genommen, gibt es nen Knick oder Kompressionsbrüche!

Hinweis 2: Beim Dünner-Machen immer die GANZE Welle gleichmäßig bearbeiten. Am besten Anfang und Ende an beiden WA-Seiten markieren! Dünnt man nur in der Mitte aus, gibt es da punktuelles Stringfollow und die Welle biegt sich raus! Als Anfang/Ende der Welle kann man die Punkte nehmen, wo der Abstand der rückenparallelen (hier: roten) Linie zur Kante um 1 mm kleiner ist.


Deflexe Welle: Bei einer deflexen Welle ist ALLES ganz anders! Ein deflexer Bereich reagiert auf den Auszug oft WEICHER als ein gleich dickes, gerades Stück! Deshalb sollte man so einen Bereich zuerst einmal etwas dicker belassen.

Beginnen tut es wieder, wie oben, mit begradigten, geglätteten WA-Seiten und einer geraden Linie entlang des Rückens über die Welle hinweg, die diesmal aber unmittelbar an der Kante des Rückens gezogen werden kann.

Ist die Welle an beiden WA-Seiten gleich und an der höchsten Stelle nicht mehr als 3 mm über dieser Rückenlinie, wird sie erst einmal völlig ignoriert, und der Bauch geradlinig durchgezogen. Das Ausdünnen der dickeren, und somit steiferen, Stelle erfolgt dann beim Tillern.

Ist die Welle allerdings an den WA-Seiten unterschiedlich und/oder höher als 3 mm über der Rückenlinie, muss sie bauchseitig angepasst werden.

Angenommen, sie ist links 3 mm hoch, rechts aber 5 mm, dann müssten erst mal auf der rechten Seite (am höchsten Punkt) bauchseitig 2 mm runter. Um das gleichmäßig zum Verlauf der Welle hin zu bekommen, macht man sich am besten eine Schablone: Man legt den WA mit der (hier) rechten Seite auf ein Stück festen, klaren Kunststoff (alter Schnellhefter-Deckel), und zeichnet mit einem dünnen Folienstift den Rücken da drauf nach. Nicht vergessen, dabei einen Anlegepunkt auf Folie und Rücken zu markieren, damit man nicht seitlich verrutscht!

Nun kann man die Welle auf der Folie ausschneiden, und als Schablone verwenden, um den Verlauf der Welle auf der Bauchlinie so anzuzeichnen, dass sie dort am höchsten Punkt nur noch 2 - 3 mm dicker ist. (Wer es sich zutraut, kann es natürlich auch nach Augenmaß machen, in schwierigen Fällen aber lohnt sich der Aufwand mit der Schablone!)

Rückenseite

  • Welle2.jpg

Bauchseite

Hinweis: Wellen müssen nicht zwangsweise genau parallel zur Längsachse des Bogens verlaufen! Oft ist es so, dass der höchste Punkt auf den beiden WA-Seiten um einige mm, bis in den cm-Bereich, in Längsrichtung versetzt ist. Beim Herausarbeiten der Bauchseite muss das berücksichtigt werden!! Am besten sucht man erst mal auf beiden Seiten den Hochpunkt und markiert den. Dann zeichnet man auf den Bauch da zwischen die Verbindungslinie, und dann dazu ein paar parallele Linien in je 1 cm Abstand als Hilfslinien.

Hinweis 2: Nach dem groben Herausarbeiten geht es an's Tillern. Wieder gilt: Beim Abtragen von Holz im Bereich der Welle immer über die GANZE Länge der Welle abtragen! Als Anfang/Ende der Welle gelten dabei wieder die Punkte, wo der Abstand von der Rückenlinie (hier: roten) Linie ca. 1 mm ist.

horizontale Wellen oder seitlich herauslaufende Fasern

So ist es oft: Der Stave ist astfrei, kerzengerade und unverdreht - über 1,50 m Länge. Aber verflixte 20 oder 30 cm, die wir für eine 28-Zoll-Auszug-Länge brauchen, sind krumm. Für den richtigen Umgang damit muss man 3 Fälle unterscheiden:

  • in der Mitte,
  • zwischen Mitte und Ende, und
  • am Ende

denn jeder Fall wird anders behandelt!

In der Mitte stört es am wenigsten. Der Bogen wird einfach so gebaut, dass 1. der Pfeil in der Kehle, also der konkaven Seite der Welle angelegt wird. Die Richtung der Welle bestimmt also, welcher Wurfarm (WA) der obere wird! Das scheint bei dem, was gleich folgt unsinnig, aber: Sollte der Stave sich beim weiteren Trocknen bzw. im Gebrauch noch etwas krümmen, so tut er dies mit großer Wahrscheinlichkeit zur Innenseite der Kurve, also zur konkaven Seite hin! Und dann ist es besser, der Pfeil liegt DA an! 2. wird die Welle, wenn sie nicht SO stark ist, dass GAR kein Holz mehr in der Flucht der Mittellinie ist, einfach ignoriert! Man zeichnet die Mittellinie auf, und macht einen Griff symmetrisch zu beiden Seiten, aber möglichst dick, so dass er garantiert steif bleibt. Außerdem macht man einen langen, vielleicht 6 cm, Übergangsbereich zum WA. Dass dann im Griffbereich die Fasern seitlich aus dem Griff raus laufen, stört nicht. Halten tut's trotzdem. Wenn man ganz viel Angst hat, oder wenn der Griff nicht 4 cm dick (bei 2,5 cm Breite; bei 3 cm Breite genügen 3,5 cm Dicke) gemacht werden kann, weil der Stave zu dünn ist, kann man den Griffbereich noch mit einer Wicklung verstärken. (Nicht zu dickes Garn, max. 1 mm, und die Wicklung nur so, dass sie später unter dem Griffleder versteckt wird!) So herausgearbeitet werden die Fasern an der konvexen Seite, der Außenseite der Kurve, durchschnitten! Dass ist auch der Grund, warum er sich nach innen krümmt (wenn): Ziehen sich die Fasern beim Nachtrocknen zusammen, wirkt sich das da, wo sie nicht durchtrennt sind, stärker aus! Ist die Welle so stark, dass die Mittellinie im Griffbereich fast oder ganz "in der Luft schwebt" - macht man aus dem Stave entweder keinen Bogen - oder man dämpft und biegt die Welle brutal raus.... Im Griffbereich geht das noch am ehesten!

Zwischen Mitte und Ende, also genau im mittleren WA-Bereich, gibt es nur eines: so lassen. Der Faser folgen! Von Dämpfen/Biegen rate ich HIER dringend ab, das schwächt den WA nur, und gerade wird's eh nich - nicht auf Dauer! Nein, hier geht es so: Man zeichnet die Mittellinie vom Griff zum Ende an, und auch den Taper, also den Verlauf der Breite, als wäre der Stave kerzengerade. Dann zeichnet man von Hand den Faserverlauf nach, da, wo er die Mittellinie verlässt, also zuerst die IDEALE Mittellinie, dann die REALE des Staves, so, wie er gewachsen ist! Nun kann man an jeder Stelle messen, wie weit der Abstand der IDEALEN Mittellinie zur IDEALEN Seitenlinie ist, und dieses Maß an der Stelle von der REALEN Mittellinie aus anzeichnen. Das macht man zu beiden Seiten und in höchstens 1-cm-Abständen. Auf die Weise "erzeichnet" man sich die Seitenlinien, parallel zur Faser, aber MIT korrektem Taper! Der Verlauf der Breite, also z.B. die gleichmäßige Verschmälerung des WA's bleibt, aber sie folgt dem Verlauf der Welle.

Ein solcher "Snakey-Bow" sieht klasse aus und schießt genau so gut wie ein gerade Gewachsener.

Am Ende des WA's, also auf den letzten 10 bis 20 cm, ist es wieder ganz anders! Quer laufende Fasern hier wirken sich nicht mehr wesentlich auf den geraden Auszug aus, da der Bereich kaum noch mit arbeitet. Außerdem wird der WA hier auf jeden Fall permanent schmaler, seitlich endende Fasern sind in dem Bereich also sowieso normal, und das hält ja trotzdem! Man kann also die Mittellinie einfach gerade durch ziehen und die seitlich weglaufenden Fasern ignorieren. Das Problem liegt aber woanders:

Die Oberfläche des Stammes, also der Bogenrücken, ist ja gerundet. Normaler Weise, also bei einem kerzengeraden Stave, liegt die Mittellinie auf dem höchsten Punkt der Wölbung. Krümmt sich der Stave nun am Ende zur Seite, und man zieht die Mittelinie aber gerade durch, kommt man in den seitlichen Bereich der Wölbung - und der Rücken ist, bezogen auf den Rest des Bogens, zur Seite gekippt!

Würde man den Bauch nun auch hier schön rücken-parallel machen, wäre der WA hier verdreht, was dann DOCH dazu führen kann, dass er sich im Auszug seilich verzieht - außerdem sieht es unschön aus!

Lösung: Der Rücken begradigen! An der Seite, die höher steht, wird das Holz bis auf den nächsten Ring abgetragen, evtl. sogar auf den übernächsten. Auf der tiefen Seite aber bleibt der Rückenring erhalten. Man macht also gewissermaßen ein partielles, einseitiges "Decrowning". Die Linie, die sich durch den angeschnittenen Rückenring auf dem Rücken bildet, soll dabei ohne "Versprünge" schön gleichmäßig diagonal über den Rücken verlaufen, und auch nicht vor dem WA-Ende die andere Seite erreichen!

Ist der Rücken so einigermaßen in Waage gebracht (90% genügen!), erst DANN wird der Bauch auf Dicke gearbeitet.

  • Wellen3.jpg

Wurmlöcher und Fraßgänge

1. Vermeidung.

Eine ganze Armada von holzverzehrenden Insekten wartet begierig darauf, sich an unserem mühevoll beschafftem Bogenholz zu laben! Dabei sind zuckerhaltigere Hölzer wie Ahorn oder Esche besonders begehrt, aber auch harte Kost wie Robinie oder Osage werden nicht verschont - lediglich die Eibe bleibt weitgehend unbehelligt!

Fraßschäden bei Esche

Damit die kleinen Biester überhaupt erst ihr zerstörerisches Werk beginnen können, müssen einige Bedingungen erfüllt sein:

  • Sie selber (oder ihre Eier) müssen zum Holz gelangen
  • Das Holz darf nicht ZU trocken sein
  • und es muss ihnen schmecken.

Ein lebender, gesunder Baum weiß sich in der Regel recht gut gegen die Angreifer zu wehren. Ist er aber erst einmal gefällt, oder bereits kränklich, bietet er eine Angriffsfläche. "Begehrte" Hölzer werden daher relativ schnell "besiedelt", wenn so ein Zustand eintritt.

Daher bedarf besonders Holz, das schon länger gefällt "herumlag" oder von kränklichen Bäumen stammt, besonderer Aufmerksamkeit/Behandlung.

Dies muss vor Allem in den ersten Wochen der Einlagerung geschehen, mit zunehmender Trocknung sinkt das Risiko eines Befalls deutlich.

Da der "Angriff" von außen, also von der Rinde her stattfindet, sollten Staves im Verdachtsfall lieber entrindet werden. Problem dabei: Soll der 1. Ring unter der Rinde als Bogenrücken genutzt werden, wäre es besser, die Rinde drauf zu belassen, um überstarkes/-schnelles Austrocknen zu verhindern. Abhilfe: Rinde entfernen, und die ganze freigelegte Oberfläche mit Klarlack oder verdünntem Holzleim versiegeln! Ist der 1. Ring ohnehin unbrauchbar, kann das bei wintergeschlagenem Holz entfallen. Bei Holz, das in der Wachstumsphase geschlagen wurde, ist es dennoch anzuraten, um Trockenrisse zu vermeiden.

Hölzer mit hohem Zuckergehalt wie Ahorn oder Esche sollten, auch wenn die Rinde belassen bleiben soll, die ersten Wochen entweder in einem (unbeheiztem!) geschlossenen Raum gelagert, oder mit Holzschutzlasur bestrichen werden, so dass Schädlinge es nicht erreichen können bzw. abgeschreckt werden. ALLE Hölzer, die in einer Umgebung mit hohem "Gefährdungspotnezial" (wurmiger Holzschuppen) gelagert werden, sollten ebenfalls mit Holzschutz behandelt sein.

2. Umgang mit Schäden

Bei den Schadensbildern, die dann doch nach dem Entrinden des trockenen Holzes vorgefunden werden, muss man zwischen Gängen senkrecht zur Oberfläche (Löcher) und solchen, parallel in der Oberfläche (Gängen)unterscheiden.

Vereinzelte Löcher, ich sag mal bis zu eines alle 10 cm, haben so gut wie keine störenden Auswirkungen. Sie gleichen im Störgrad winzigen Ästen, und können im Grunde ignoriert werden, man solte nur drauf achten, dass sie nich genau im Randbereich zu liegen kommen, ich schlage mindestens 5 mm Randabstand vor. Man könnte sie dann sogar als Löcher belassen, aber eleganter ist es, sie zu verfüllen. Dafür bieten sich Epoxid (zum besseren Hineinfließen erwärmen und dazu mit dünnem Draht stochern!) oder ein in Holzleim getauchter Schaschlik-Spieß an, den man so tief es geht in das Loch treibt, nachdem man die Spitze abgekniffen hat. Nach dem Aushärten des Klebers wird die Oberfläche des Bogens dann bündig geschliffen. Fertig.

BEVOR man dies aber tut, sollte man eventuell noch lebende "Bewohner" abtöten! Dies kann mit kochendem Wasser, Dampf, oder einer Heißluftpistole geschehen, die die betroffene Stelle kurzfristig über 60° erhitzen. Von chemischen Stoffen rate ich ab, weil die meist ölhaltig sind, und nachfolgende Klebearbeiten behindern. Außedem sind sie giftig...

Bei sehr vielen Löchern mit wenig Abstand allerdings hätten diese einen Effekt wie eine Perforation, und würden eine Schwachstelle bilden. Das Holz ist dann leider unbrauchbar geworden!

Fraßgänge durchtrennen innerhalb eines Ringes die Fasern in einem größeren Bereich als ein punktuelles Loch. Zuerst würde man prüfen, ob der Schadensbereich ganz vermieden werden kann:

  • entweder, indem der betroffene Ring ganz abgetragen wird, (meistens liegen die Gänge nur in EINEM Ring); das erfordert aber natürlich, dass ein tiefer liegender Ring ebenfalls geeignet ist!
  • oder durch Veränderung von Lage und/oder Breite des Bogens im Holz, also Änderung des geplanten Bogentyps.

Gehen beide Wege nicht, ist auch hier das Holz leider unbrauchbar, zumindest im betroffenen Bereich. Vielleicht eignet sich ja ein kürzeres Stück noch für einen aus 2 Teilen gespleißten Bogen...

Soll das Holz aber auf jeden Fall verwendet werden, weil kein anderes verfügbar ist und unbedingt ein Bogen her muss, könnte man auch die Fraßgänge gänzlich wegraspeln/-schleifen. Dann muss aber die so geschwächte Stelle verstärkt werden, man muss also ein partielles Backing im Schadensbereich aufbringen, das die ursprüngliche Zugfestigkeit des unverletzten Ringes wieder herstellt! Anfang und Ende des Backings sollten dann nach Abschluss der Tillerarbeit mit einer Wicklung gesichert werden.

Trockenrisse

Trockenrisse entstehen durch falsche Lagerung, zu schnelles Trocknen, fehlende Versiegelung oder sind (selten) bereits im lebenden Baum vorhanden.

Auch hier gilt erst mal natürlich: möglichst vermeiden, also die Bäume möglichst im Winter, außerhalb der Wachtumsperiode fällen, sofort nach dem Fällen spalten und die Stirnseiten mit z.B. Holzleim versiegeln, falls die Rinde entfernt werden muss, auch die Oberfläche mit Klarlack oder verdünntem Holzleim versiegeln, und die Staves kühl und unbesonnt lagern, so dass sie langsam trocknen.

Treten dennoch Trockenrisse auf (oder sind schon vorhanden), gibt es 2 Varianten, damit umzugehen: Ausweichen oder verschließen.

Risse im Endbereich 1. Den Bogen im Stave so positionieren, dass der Riss außerhalb des Bogens liegt. Bei Rissen in den Endbereichen genügt es oft, 2 - 5 cm abzusägen, um in einen rissfreien Bereich zu kommen, besonders, wenn es sich um viele, aber kleine Risse handelt. Bei einzelnen, großen, langen, tief gehenden Rissen sollte man erst mal schauen, ob man das Bogenende nicht NEBEN dem Riss platzieren kann! 2. Den Riss füllen/kleben. Problem dabei: Man bekommt den Kleber nicht bis in die letzte "Spitze" des Risses hinein! Egal, ob Holzleim oder erwärmtes Epoxi (beides geht!) es bleibt immer ein Stück unverklebt. Daher sollte die "Auslaufzone" des Risses dann sicherheitshalber mit einer kräftigen Wicklung versehen werden, wenn der Bogen fertig getillert ist, damit der Riss nicht durch die ständige Krümmungs-Bewegung weiter "wandert". Eine Länge von 2 cm gewickeltem Bereich genügt. Man sucht sich das optisch erkennbare Ende des Risses, und geht dann noch 5 mm weiter in Richtung Griff. Ab da wird dann 2 - 3 cm in Richtung Ende gewickelt.

Oberflächen-Längsrisse im Rücken So lange solche Risse nicht in den Randbereich laufen, sind sie eigentlich unschädlich und könnte so wie sie sind, belassen werden! Denkt Euch 2 schmale Bogen gleicher Länge, die mittels Klebeband nebeneinander zusammengefasst und mir einer einzigen Sehne versehen werden: Da geht ein "Spalt" längs durch den ganzen "Doppelbogen", aber es würde funktional gar nichts ausmachen! Beide Stäbe krümmen sich parallel im "Paartanz".... Hier wäre es eher ein optisches Problem! 1. Ausweichen: Auch hier gilt wieder: Erst mal prüfen, ob sie zu umgehen sind! Ist der Stave dick genug, und hat in tieferen Lagen geeignete Ringe, kann man die gerissenen Ringe abtragen und das Problem ist gelöst! 2. So lassen: Sie als "Charakter" begreifen und dazu stehen. Ich würde allerdings gegen "Wandern" auch hier die beiden Endbereiche wickeln.... 3. Verstecken: Man könnte z.B. die Oberfläche dunkel beizen, und dann den Riss mit (ebenfalls dunkel gefärbtem) Epoxi (1 - 2 Tropfen Beize (auf Nitro-Basis, KEINE Wasserbeize!) oder Pigmente genügen!) verfüllen. Danach abschleifen, angeschliffene Flächen nachbeizen, fertig. Das Beimengen von Beize oder Pigmenten setzt die Klebefähigkeit des Epoxi zwar ETWAS herab, aber es hat hier ja auch nicht viel Belastung, so dass das hervorragend hält!

Läuft ein Riss allerdings in den Randbereich, MUSS er genau wie einer am Ende, verklebt und mit Wicklungen gesichert werden!

Oberflächen-Risse im Bauch Diese sind eigentlich selten, sie treten am ehesten im Bereich des Markkanals auf, wenn der Stamm nur halbiert und der Markkanal nicht weggeschnitten wurde - und laufen damit mittig lang durch, aber nicht seitlich raus. Erst Überlegung wieder: Kann ich den Bogen nicht einfach etwas breiter und flacher bauen, so dass der Riss weggeschnitten werden kann? Geht das nicht, wie im Rücken-Bereich verfüllen oder sogar so lassen. Bauch-Längsrisse sind die unproblematischsten. Wenn man sie einfach so lässt, sollten allerdings die Kanten des Risses abgerundet werden - der Bogen bekommt also bauchseitig eine "Längsrille" geschnitzt.

Harte, weiche oder "rubbelige" Stellen

Bogenbau-Anfänger, sogar selbst solche mit fundierten Tischler-Kenntnissen, neigen dazu, einen Bogen mit Lineal und Schieblehre zu bauen, und eine perfekt glatte und ebene Oberfläche und einen "mathematisch perfekten Taper (= Dicken- und Breitenverlauf) herzustellen. Das KANN gut gehen - muss aber nicht! Holz ist nun mal kein homogener Werkstoff, der über den ganzen Stamm die gleichen Eigenschaften haben muss. Und wenn dann der auf den 1/10 mm perfekt gearbeitende Rohling erstmalig auf den Tillerstock kommt und gezogen wird, ist die Überraschung groß: Trotz aller Mühe biegt er sich ungleichmäßig! Oder die Rückenfaser reißt kurz vor der Vollendung des Stückes, weil kleine Wellen glatt gehobelt wurden! Bogenbau stellt nun einmal gänzlich ANDERE Anforderungen an den Umgang mit dem "Rohstoff" als das Herstellen eines Regals oder Stuhlbeins!

Harte und weiche Stellen Schon ein leichter Reflex- oder Deflex-Bereich zeigt andere Biegeeigenschaften als ein linear gewachsener Abschnitt - das ist hier aber NICHT Thema, sondern weiter oben bereits "abgehandelt"! Hier geht es um Abschnitte, die gerade sind, und sich TROTZDEM anders verhalten als der Rest des Bogens.

Die Ursachen KÖNNEN sichtbar sein (Wunden, Schädlingsangriffe, Reibung an Nachbarstämmen führen bei lebenden Bäumen zu Reaktionen in der Holzstruktur, auch in daneben liegenden Bereichen), machmal sieht man aber auch gar nix.

Die beste Methode des Umgangs damit ist: Probleme vermeiden!

Macht Euch eben gerade NICHT die Mühe, den Rohling mikrometergenau auf ein "Endmaß" zu arbeiten, bevor das Tillern begonnen hat! Für den Anfang des Tillerns genügt es völlig, wenn sich der Rohling ca. 5 cm weit durchbiegen lässt (sh. oben: Bodentiller!). Dann werden die Sehnenkerben angebracht, eine Tillerschnur aufgezogen und man nähert sich langsam und schrittweise dem Endmaß an. Ist dabei eine Stelle besonders "biegefreudig" bleibt sie eben dicker, ist eine steif, wird was weggenommen. Klingt einfach, IST es auch! Das Holz bestimmt die Form, auch die Dicke. Löst Euch von Idealbildern. Das ist das ganze Geheimnis!

Rubbelige Stellen Manchmal sieht eine Ringoberfläche in einem Abschnitt aus wie ein Stück Watt im Miniformat. Dies auf der Rückenseite bitte unbedingt so lassen! Es hat, wenn die Fasern dort NICHT verletzt werden, KEINEN schädlichen Einfluss und steigert die Individualität des Einzelstücks! Besondere Vorsicht ist beim Schleifen im Zuge der Endbehandlung geboten! Diese Stellen möglichst wenig schleifen, keinesfalls mit Papier, besser mit feiner Stahlwolle! In der Regel sind solche Stellen übrigens etwas härter als der Rest! Bauchseitig kann so ein Bereich ohne Probleme begradigt werden.

Griffbereich, Schussfenster, Pfeilauflage

Griffbereich

Der Griffbereich beschreibt erst mal nur ganz banal den Teil des Bogens, den die Hand beim Schießen festhält. Sowohl bezüglich seiner Lage als auch seiner Ausführung gibt es sehr viele Varianten, oft auch kombiniert, zu viele, um sie alle hier abzuhandeln, zumal viele Kombinationen möglich sind!

Ich versuche daher erst mal eine systematische Ordnung aufzustellen, erst zum Schluss gibt es dann noch ein paar Ausführungstipps...

Lage des Griffbereichs

Ganz grob gibt es "Lage in der Bogenmitte" und "außermittige Lage". Welcher Weg der sinnvollste ist, hängt von 3 Faktoren ab:

  • Der Zugkraft des Bogens,
  • Der Länge des Bogens und
  • Der erforderlichen Auszugweite.

(Fortsetzung folgt!)

Feintiller

Oberflächenbehandlung

Ergänzende Details

Griffleder

Funktional gesehen ist ein Griffleder überflüssig! "A" (authentisch) ist es auch (für viele Bogentypen) nicht. Andererseits verbessert ein schönes Griffleder sowohl die Optik (wenn man's mag) wie auch dem Griffkomfort.

Grundsätzlich kann ein Griffleder auf 3 Arten angebracht werden:

  • geklebt,
  • geschnürt,
  • gewickelt.

Die Anforderungen an ein Griffleder sind außerdem:

  • Es darf nicht verrutschen, nicht einmal minimales Spiel haben, sonst kann man den Bogen nicht mehr präzise schießen,
  • Es muss in Stil, Farbe und Ausführungsdetail zum Gesamtstil des Bogens passen,
  • Es muss unempfindlich gegen Verschmutzung und Handschweiß sein,
  • Soll das Leder genäht werden, muss es eine gewisse Zähigkeit haben, damit der Faden beim Stramm-Ziehen nicht ausreißt.

VOR dem Anbringen des Leders sind 1 - 2 Vorarbeiten notwendig:

  • 1. Falls eine unter das Leder geschobene Pfeilauflage geplant ist, muss die aufgeklebt und der Übergang verschliffen werden. Besonders elegant ist es zudem, wenn in der Linie, bis zu der das Leder gehen soll, ein kleiner Absatz genau in Leder-Dicke herausgearbeitet wird.
  • 2. Muss das Holz im später verdeckten Bereich gegen Nässe geschützt werden. Ich lackiere es 1 - 2 x über. Schleifen ist nicht erforderlich, im Gegenteil - eine gewisse Rauheit verbessert den rutschfreien Sitz des Leders!

Geklebt / geschnürt

Das Leder wird so am Griff angebracht, dass die Fuge/Naht mittig auf dem Bogenrücken liegt.

Zuerst schneidet man das Leder auf die richtige Länge. In der Breite erst mal noch ca. 1 cm zur erforderlichen Breite zugeben, lieber etwas mehr als zu wenig! Die erforderliche Breite wird natürlich an der Stelle mit dem größten Umfang gemessen.

Nun wird auf der Innenseite des Leders die Mittellinie (Längsachse), die später mittig auf der Bauchseite liegt, angezeichnet.

  • Übrigens: Es muss nicht zwingend die glatte Lederseite nach außen genommen werden! Der "wildlederartige" Charakter der rauen Spaltseite ergibt auch einen schönen, weichen und v.a. sehr "griffigen" Griffbereich!

Nun muss man die erforderliche Breite des Leders ermitteln - und zwar mindestens an 3 Stellen: An beiden Enden und in der Mitte. Ich schneide mir dafür 3 ca. 1 cm breite Papierstreifen, lege die an den entspr. Stellen stramm um den Griff, und markiere

  • 1. die Länge in Rückenmitte, UND
  • 2. die Bauchmitte

Dann lege ich den Streifen an der entsprechenden Stelle auf das Leder, und zwar so, dass die markierte Bauchmitte auf der vorher angezeichneten Mittellinie des Leders liegt. Nun kann ich zu beiden Seiten die Breite antragen.

Anschließend werden die 3 Punkte an jeder Seite verbunden. Ist der Griff nicht linear, sondern z.B. in der Mitte dicker, also "fassförmig", ist die Verbindungslinie natürlich nicht gerade, sondern eine entsprechende, leichte Kurve. (Man muss aber nicht ZU genau sein - in etwa passend genügt!)

Dann wird die Breite zugeschnitten ABER: Ich schneide das Leder an jeder Seiten-Line, je nach Härte und Dicke des Leders, etwas SCHMALER, als sich es angezeichnet habe! Soll es geklebt werden, je 1 mm, für eine Schnürung sogar 2 mm schmaler.

Nun kann man das Leder einmal zur Kontrolle um den Griff legen. Natürlich bleibt nun am Rücken eine Lücke von 2 - 4 mm. Das soll so sein. Wichtig ist aber, das diese Lücke über die gesamte Länge gleich breit ist. Ggf. nachkorrigieren!

Dann kommt's: Jetzt wird das Leder gewässert! Einfach für mindestens 1/4 bis 1/2 Stunde in lauwarmes Wasser legen (etwas beschwert, damit es vollständig drin ist!).

Aufkleben: Soll das Leder aufgeklebt werden, kann dies natürlich nun bloß mit einem wasserlöslichen Kleber erfolgen, es ist ja nass!. Ich nehme dafür das wasserfeste Ponal, also Holzleim. Das Leder wird abgetrocknet, auf der Klebeseite vollflächig dünn bestrichen, um den Griff gelegt, und erst mal grob fixiert (mit Kunststoff-Leimklemmen). Dann muss es, an einem Ende beginnend, durch gleichzeitig beiderseitiges Streichen vom Bauch zum Rücken so weit gedehnt und zusammengeschoben werden, dass die Lücke am Rücken geschlossen ist. So mit Klemmen fixieren, immer Stück für Stück. Bei 2 cm Breite der Klemmen und 12 cm Griffleder-Länge braucht man also 6 Stück...

  • Tipp: Gerade bei dickerem Leder können die Klemmen an der Bauchseite ein unschönes "Muster" eindrücken, das nur schwer wieder zu entfernen ist! Um das zu vermeiden, nimmt man einen ca. 20 - 30 cm langen, dicken Lederstreifen (zur Not auch Pappe!) und befestigt den, wenn das Griffleder grob fixiert ist, bauchseitig ober- und unterhalb des Griffbereichs mit Klebeband über dem Griffleder.

Schnüren: Wenn das Leder geschnürt werden soll, werden vor dem Einweichen entlang beider Seitenlinien mit 3 - 4 mm Abstand vom Rand in gleichmäßigen Abständen zueinander Löcher für die Bindung mit einer Lochzange reingeknipst. Die Größe der Löcher richtet sich nach dem Faden, der zum Binden geplant ist. (Ich nehme dafür meist dünne, runde Schnürsenkel von 1,5 m Länge; das erscheint viel zu lang, aber der Preisunterschied zu Kürzeren ist gering, und etwas mehr "Spielraum" ist angenehm!).

Während des Einweichens des Leders wachse ich ggf. den Schnürsenkel mit Sehnenwachs, es sei denn er wird später lackiert (s.u.).

Durch das Quellen ist das Leder etwas größer und gleichzeitig weich und elastisch geworden.

Nun abtrocknen, dann fädele ich die Schnürung hinein, und zwar so, dass zwischen beiden Seiten mindestens 3 cm Abstand verbleiben, beginned an dem Ende, das später nach OBEN zeigt. Welches Schnürungsmuster Ihr dabei wählt, überlasse ich Eurer Kreativität, da gibt es mehrere Möglichkeiten. Nur eines: Da sich die Fäden zwangsweise kreuzen müssen, bitte drauf acheten, dass sie dies immer in der selben Weise tun, also z. B.: Faden von Links = unten, von Rechts = oben.

Dann schiebe ich die "Röhre" vom unteren WA her über den Bogen in die richtige Position, und beginne mit dem Strammziehen der Schnürung am oberen Ende. Dabei drauf achten, dass die Schürung über die ganze Länge auch wirklich in Rückenmitte liegt - hinterher Schieben geht meist nicht!

  • GANZ WICHTIG: Sollte mal an einer Stelle bzw. in einem Abschnitt die Lücke noch etwas zu groß sein - auf keinen Fall versuchen, diese durch kräftiges Ziehen an der Schnürung zu schließen! Die Löcher würden unweigerlich ausreißen! In dem Fall das Leder an beiden Seiten gleichzeitig seitlich vom Bauch her kräfitg zur Mitte STREICHEN, bis die Lücke weit genug geschlossen ist! Und im Zeifel lieber eine etwas größere Lücke lassen, als das Leder zu zerstören...

Ist die Schnürung gänzlich zugezogen, werden die Enden verknotet und abgeschnitten. Auch für einen attraktiven Abschluss gibt es viele kreative Möglichkeiten.

Trocknen und Endbehandlung: Dann muss das Leder trocknen. Das sollte unbeheizt, aber luftig geschehen, damit es nicht ZU lange dauert, sonst kann es schimmeln. Man kann es auch ein paar Minuten fönen, um es etwas zu beschleunigen.

Nach dem Trocknen sitzt es glatt und stramm wie eine Wurstpelle!

Als Endbehandlung kommt in Frage: Einfach zusammen mit dem ganzen Bogen überlackieren (Acryllack!) - (das ergibt gerade bei Wildleder bzw. mit der Spaltseite nach außen eine interessante Oberfläche!), oder mit Schuhcreme fetten. Fetten ggf. natürlich erst NACH der Endbehandlung des Holzes!

Gewickelt

Fortsetzung folgt...

Overlays

Ein Overlay ist eine auf den Bogenenden befindliche Verstärkung im Bereich der Sehnenkerben. Es kann 6 verschiedene Funktionen haben:

1. Zierde, Schmuck,

2. Sicherheit bei weichen oder splitterfreudigen Hölzern bzw. hohem Zuggewicht, oder bei sehr schmalen Endbereichen,

3. Sehnenkerben auf dem Rücken, (mein 2. Beispiel oben), wenn die Enden zu schmal sind, sie seitlich zu machen,

4. Stabilisierung der Enden, wenn sie zum seitlichen Verziehen neigen, oder so dünn geworden sind, dass sie (ungewollt) mitbiegen,

5. Erhöhung der Enden in Schussrichtung, quasi ein "Mini-Reflex",

6. Schaffung glatter und abriebfester Sehnenlager bei sehr rauem Material (z.B. Rattan).

Wichtig ist in allen Fällen, dass die auftretende Zugspannung, (auch wenn sie kurz vor'm Ende nur gering ist - hier tritt ja hauptsächlich "Scherung" auf = die Sehne möchte sich "durch's Holz schneiden" bzw das Ende abreißen), dass also die Zugkraft übertragen werden kann in die Fasern des Bogenrückens. Die Rückenfasern müssen also UNTER das Overlay durchgehen (sie dürfen da drunter ruhig auslaufen, also angeschnitten sein, aber nicht - bzw. nur zu einem kleinen Teil - vorher enden!), Das Overlay selber darf natürlich auch nicht aufspalten, absplittern oder quer reißen. Ein Faserverlauf senkrecht zum Bogenrücken z.B. wäre ungeeignet..

Man unterscheidet grundsätzlich aufgeklebte Overlays von sogenannten "gewachsenen Overlays", was nichts anderes bedeutet, als dass man im Bereich der Sehnenkerben beim Freilegen des Bogenrückens 1 bis 2 Schichten (Ringe) zusätzlich stehen lässt.

Materialien

Gewachsene Overlays bestehen logischer Weise aus dem Holz des Bogens selber.

Für aufgeklebte Overlays ist fast jedes druckfeste Material geeignet, aber es gibt schon ein paar Anforderungen:

Design: Das Material sollte in Farbe und "Charakter" zum Rest des Bogens passen. Plastik auf einem Steinzeitbogen wäre z.B. eher unpassend...

Gewicht und Dimension: Ein Bogen ist um so effektiver, je leichter seine Enden sind. Jede Materialzugabe am Ende ist daher störend, also sollte das Material entweder leicht, oder gering dimensioniert sein.

Kanten und Bruchfestigkeit: Eine scharfe Kante im Bereich der Sehnenkerbe reduziert die Lebensdauer der Sehne (und bei Sehnenriss sogar des ganzen Bogens!) erheblich. Das Overlay-Material muss sich daher weich abrunden lassen und darf unter der Belastung auch nicht absplittern oder brechen, muss also eine gewisse Zähigkeit haben.

Haftung: Natürlich soll sich ein Overlay auch nicht ablösen, es muss sich also sicher kleben lassen!

Bewährte Materialien sind daher:

  • Horn
  • Geweih, Knochen
  • Harte und dennoch zähe Hölzer
  • hartes Leder (Sohlenleder)
  • Kunststoffe

Verarbeitung

Zuerst wird das Material grob in Form (Breite, Länge) und durch Schleifen auf die minimal erforderliche Dicke gebracht.

  • Breite: ca. 2 - 3 mm breiter als die breiteste Stelle im Bereich, wo es sitzen soll,
  • Länge: mindestens 1,5, maximal 5 cm, je nach Gewicht, Designabsicht und Geschmack,
  • Dicke: 1 - 3 mm, bei leichten Materialien bis 5 mm

Soll/kann das Wurfarmende als Klebefläche flach geschliffen werden, kann der Schliff des Overlays ebenfalls flach sein. Beim Schleifen des Wurfarms aber beachten, dass auf keinen Fall der Rückenring durchgeschliffen werden darf, jedenfalls nicht auf der Seite zur Bogenmitte hin! Sonst kann das Ende da abbrechen...

Flach-Schleifen geht also nur, wenn der Rückenring ausreichend dick ist!

Muss der Rücken gewölbt bleiben, schleift man auch das Overlay von der Klebeseite her gewölbt. Im Zweifel beim Overlay die Wölbung etwas stärker ausführen als sie am Wurfarm ist, dann pressen sich die Kanten gut an.

Nach dem Schleifen werden Naturmaterialien entfettet, z.B. mit Aceton. Zum Aufkleben eignen sich Epoxidharz oder Holzleim.

VOR dem Aufkleben ist es hilfreich, die zur Bogenmitte vorgesehene Kante schon mal dünn zu schleifen, auf Dicke unter 1 mm, aber nur die Kante im Bereich der ersten 5 mm, sonst kann man es nicht mehr gut aufpressen!

Beim Aufpressen darauf achten, dass

  • Bei durchsichtigen Materialien (z.B. Horn!) keine Luftblasen im Kleber bleiben und keine Hilfslinien /Markierungen mehr im Klebebereich sind - beides sieht man sonst später!
  • Die Kante zur Bogenmitte hin gerade, also rechtwinklig zur Längsachse bleibt (oder, falls das Ende spitz zulaufend gemacht wurde, die Spitze in der Wurfarm-Mitte ist!)
  • Die anderen Kanten des Overlays an beiden Seiten und am Ende leicht überstehen.

Tipp: Vor Auftragen des Klebers kann man noch den Wurfarm an der Grenze des Klebebereichs mit Klebeband abkleben, damit hervorquellender Kleber nicht das angrenzende Holz verfärbt....

Sehnenkerben

Beim Einfeilen der Sehnenkerben sind 2 Dinge zu beachten:

  • 1. nicht das Horn durchschleifen! Am besten die Position der Kerben VOR dem Aufkleben festlegen, und da die Horndicke messen.
  • 2. Lage: Die Sehnenkerben müssen noch im Bereich der Bohrung > d.h. in einem Bereich liegen, in dem noch der Holzkegel darunter ist. Sonst kann auf Dauer die Hornnocke heruntergerissen werden.

Die (ggf.) Spannkerben können am Ende des Kegels bzw. max. knapp dahinter liegen. (Beim Spannen tritt ja viel weniger Last auf!)

(Fortsetzung folgt)

Hornnocken

  • Hornnocke Herstellung.jpg
  • Hornnocke Vorn.jpg
  • Hornnocke Seite.jpg
  • Hornnocke Hinten.jpg

Arrow-Pass (Pfeilanlage)

Die Pfeilanlage hat 2 Funktionen:

1. Das Holz des Bogens vor Abrieb durch die Pfeile zu schützen,

2. (evtl., bei weichen Materialien) den Auszug und Abschuss leiser und weicher zu machen (Gleitlager, Dämpfer).

Als Materialien kommen in Frage:

  • hart: Knochen, Geweih, Horn, Holz, (harte) Kunststoffe
  • mittel: Sohlenleder (Bodenleder), Rohhaut, Kunststoffe
  • weich: Leder, Filz, (elastische) Kunststoffe

Die Anlage kann als Intarsie in den Bogen eingelassen oder nur angeklebt werden.

Aus vielen Materialien kann man auch seitliche Anlage und Pfeilauflage in einem Stück herausarbeiten.

Beim nur seitlichem Ankleben muss beachtet werden, dass dadurch der Anlagebereich breiter wird, was evtl. einen weicheren Pfeil-Spine erfordert, als ohne ! Außerdem kann sie leichter (z.B. durch massige Federwicklungen) abgerissen werden, die Klebung muss daher also sehr haltbar, und die Anlage gegen die Schussrichtung sorgfältig flach gearbeitet oder weit genug um die Griffrundung herum gezogen sein.

Beim Einlassen in das Bogenholz muss sehr sorgfältig gearbeitet werden, sonst sieht es unschön aus. Außerdem sollte die Tiefe auf das erforderliche Minimum beschränkt werden. Ich habe zwar noch nicht erlebt, dass der Bogen dadurch geschwächt wurde, dennoch ist es ein ziemlich radikaler Eingriff ...

Arrowpass1.jpg Arrowpass2.jpg

Vorgehensweise für Intarsien

Zuerst versuche ich, durch sanftes Anzeichnen mit dem weichen Bleistift eine Form und Größe zu finden, die gut zu dem Bogen passt. Tipp: Es sollte ein paar mm UNTER das ggf. Griffleder bzw. die ggf. Pfeilauflage gehen. Wenn dazwischen ein Abstand bleibt, sieht es doof aus ...

Dann suche ich ein passendes Stück des gewüschten Materials. Eine Hornscheibe wird mittels Heißluft stark erhitzt (mit der Zange halten), und dann einfach zwischen 2 ebenen Platten im Schraubstock flach gepresst, bis sie erkaltet ist.

Nun übertrage ich, zur Not mit Butterbrotpapier, die Form auf das Material und schneide/säge/schleife sie heraus, wobei ich 1 mm vom Rand weg bleibe, sie also etwas größer lasse, als später benötigt.

Dann wird erst mal die Aussparung im Holz hergestellt. Das ist "Uhrmacherarbeit". Welche Wekzeuge man verwendet, hängt vom Detail ab. Wichtig ist v.a., dass der Rand ganz sauber und glatt wird! Auf keinen Fall über die angezeichnete Linie hinaus gehen. Langsam und vorsichtig arbeiten! Die Tiefe sollte etwa 2/3 der Dicke des Einsatz-Materials betragen.

Besonders bei transparenten Materialien (z.B. hellem Horn) ist drauf zu achten, dass auch die Bodenfläche einigermaßen glatt wird, bleiben Scharten, sieht man die später ! Mit senkrecht gestelltem Stechbeitel schaben.

Nun kommt das "kribbeligste", das Einpassen der Platte! Ich beginne am unteren Ende, also dem Teil, der später unterm Griffleder verschwindet. Nicht nur auf die Breite, sondern auch auf die Lage achten, das obere Ende muss ja mittig über der Aussparung bleiben !

Wichtig: Das Werkstück wird so weit abgearbeitet, dass es gerade so OHNE zu klemmen hinein geht - sonst kann das Holz einreißen !

Passt das untere Ende hinein, arbeite ich mich langsam an beiden Seiten der Platte entlang nach oben. Immer nur wenig weg nehmen, dann wieder testen: Platte senkrecht am unteren Rand hinein stellen, und langsam hinein kippen, bis sie "anläuft". Da was wegnehmen, wieder testen, u.s.w., bis sie sich auf ganzer Länge hineinlegen lässt.

Passt sie endlich, noch mal die Tiefe checken ! Sie darf nicht mehr als 1/2 Dicke heraus schauen. Bei Knochen oder Geweih, das oft auf der Rückseite schon im porigen Bereich ist, muss die Tiefe sogar noch genauer passen, sonst treten beim Verschleifen evtl. die Poren zutage - der Super-GAU !

Stimmt alles, wird die Aussparung mit Epoxi ausgestrichen. Ganz wichtig ist, das dann mit einem Fön zu erwärmen, so dass es dünnflüssig und gleichmäßig verläuft.

Das Einsetzen der Platte erfolgt wieder in der o.a. Kipptechnik und langsam !! NICHT flach hineinlegen oder hinein fallen lassen, dabei können Luftblasen eingeschlossen werden, die man unter transparenten Materialien sieht !!

Ist sie drin, wird sie LEICHT angepresst, besonders oben, unten und an der Bauchseite, (in der Reihenfolge). Aber bitte drauf achten, dass sie an der Rückenseite nicht etwa hoch steht, falls der Boden der Aussparung nicht ganz eben war ...

So aushärten lassen !

Danach wird der hervorgequollene Kleber entfernt und der überstehende Teil des Materials sauber bündig verschliffen und poliert. Dabei kann man ein leichte Wölbung herstellen, aber bloß nicht den Randbereich durchschleifen ! Fertig !

Backing

Als Backing wird eine Verstärkung des Bogenrückens mit zugfestem Material bezeichnet.

Warum ist ein Backing notwendig? Hierfür wurden weiter oben schon die Gründe angeführt:

1. Der Bogenrücken wurde, absichtlich oder unabsichtlich, während der Arbeit verletzt

2. Der äußerste Jahresring, der den Bogenrücken bildet, ist sehr dünn und wird dem Zug möglicherweise nicht standhalten

3. Beim Tillern wurde zu viel Material weggenommen, der Bogen ist also zu schwach geworden, und soll nun eine höhere Zugkraft erhalten

4. Um dem Bogen besondere Eigenschaften zu verleihen bzw. ein spezielles Design verwirklicht werden soll, muß eine Kombination von Materialien verwendet werden. Ein Beispiel hierfür sind die Komposit-Reiterbögen aus einer Kombination von Sehne (Bogenrücken = Backing), Holzkern und Horn auf dem Bogenbauch.

Der 4. Punkt bildet bereits den Übergang von Backing als Hilfsmittel zum Backing als eigenständigem Konstruktionsmerkmal.

Backingmaterialien

Abhängig von den vorgenannten Zielsetzungen (Korrektur von Wuchs- oder Baufehlern, Bruchschutz, Leistungssteigerung, Ausreizen unterschiedlicher Materialeigenschaften) sind verschiedene Materialien unterschiedlich geeignet. Natürlich erfüllen höherwertige Materialien auch "niedere" Funktionen, ein leistungssteigerndes Backing ist AUCH ein Bruchschutz...

1. reiner Bruchschutz

Ist die Haltbarkeit eines Bogenrückens zweifelhaft (real, oder dem eigenen Gefühl nach), kann ein Backing den Bruchschutz verbessern. Ideal geeignet ist Rohhaut, da sie ansonsten die Funktion des Bogens kaum beeinflusst. Ähnlich verhält sich ein dünnes, dehnbares Gewebe, z.B. Seide oder auch Kunstfasern. Das Backing verhindert so lediglich, dass ein Bruch beginnt, sich also Fasern abspalten.

2. Korrektur von Wuchs- oder Baufehlern

Wird ein Bogenrücken als gar nicht (mehr) geeignet angesehen, weil er verletzt, zu dünn, zu astig oder zu stark gewölbt ist, ersetzt man ihn. Dabei muss dann das Backing die Rücken-Funktion übernehmen, also die Zugkräfte aufnehmen. Hier muss man schon 2 "Taktiken" unterscheiden:

  • 2a. Das Material dehnt sich (elastisch), trägt also zur "Arbeit" des Bogens bei. "Arbeitende" Materialien wären Holz/Bambus, Sehnen und Glas-/Carbonfasern. Geeignete Hölzer sind z.B. Hickory, Osage, Ulme, Robinie, Esche, etc... Bis auf Hickory muss es sich dabei natürlich auch wieder um unverletzt durchlaufende Ringe handeln. Hickory ist da etwas toleranter, aber auch nur bis zu einem gewissen Punkt...

So lange die Materialdicke so gewählt wird, dass die Leistungsfähigkeit dem Originalholz etwa entspricht, wird die Funktion des Bogens nicht beeinflusst. Wird das Material zu stark gewählt, nähert man sich jedoch 2b) an...

  • 2b. Das Material dehnt sich kaum, "verlagert" also die Arbeit in Richtung der Bauchseite. "Starre" Materialien wären Leinen oder Hanf.

Dies wird nicht von allen Hölzern vertragen, bzw. von vielen nur bis zu einem gewissen Grad. Bei falscher Auswahl oder Überdimensionierung steigt sprunghaft die Gefahr, dass der Bogen am Bauch "Knautschfalten" (>Kompressionsbrüche) bekommt.

3. Leistungssteigerung

Die Materialien zur Leistungssteigerung sind mit denen aus 2a) identisch. Einziger Unterschied ist, dass diesmal bewusst das Backing etwas stärker ausgeführt wird, als der ursprüngliche Rücken. Auch die Gefahren dabei (Überlastung des Bauches) sind identisch, daher ist "das rechte Maß" wichtig, wer zu viel will erhält am Ende Brennholz. Ggf. lieber einen neuen Bogen bauen....

4. Komposit-Bogen

Durch geschickte Material-Kombinationen lässt sich aus den Werkstoffen mehr Leistung herauskizeln, als jeder allein bereitstellen könnte.

Ein dickes Sehnenbacking in Kombination mit einem extrem druckfesten Bauch aus Horn erlaubt Krümmungsradien und Zuggewichte, die andere Bogen zerstören würden.

Ein Bambusbacking auf einem Osage-Bauch ergibt sehr schnelle und stabile Bogen.

Zähe, zugfeste aber kompressionsschwache Esche oder Robinie auf druckfester, aber zugschwacher Hainbuche ergibt einen sicher funktionierenden Bogen.

Hickory auf Eibenkern kann man bereits als "bewährten Klassiker" bezeichnen.

Backing aufbringen

Unabhängig von der Zielsetzung, die mit dem Backing verfolgt wird, müssen für das haltbare Aufkleben des Backings bestimmte Grundregeln eingehalten werden.

  • Holz

Holz lässt sich mit Leim (bevorzugt: wasserfest!) oder 2-Komponenten-Epoxidharz ("Epoxi") aufkleben. In beiden Fällen müssen der Bogen und das Backing möglichst passgenau zusammengefügt werden. Epoxi überbrückt zwar auch sicher und haltbar kleinere Fugen ("spaltfüllend", so bis ca. 1 mm), eine solche Fuge sieht jedoch unprofessionell aus. Leim hingegen ist NICHT spaltfüllend, daher ist hier eine fugenfreie Fügung unerlässlich.

Am einfachsten geht es in beiden Fällen, wenn beide Klebeseiten absolut eben sind. Auch leicht (zusammen max 1 mm) hohl geschliffen funktioniert, verbessert sogar das Ergebnis im Randbereich, ist jedoch wieder schwieriger genau herzustellen.

Bei Epoxi ist nur ein mäßiger Druck erforderlich, es genügt, die Stücke zueinander zu bringen. Bei Leim hingegen ist höherer Druck notwendig, der Leim muss quasi "ins Holz hinein" gedrückt werden. Dabei muss man die Holzoberfläche außen vor Druckstellen schützen.

Eine Klebung mit Epoxi erreicht höhere Festigkeiten, wenn es unter Wärme (80 - 100°C) abbindet. Problem dabei: Die offene Holzoberfläche kann durch die Hitze verspröden, daher am besten abdecken (Alufolie) oder doch bei Zimmertemperatur aushärten lassen (hält meistens auch...).

Das Verpressen kann mit einem Druckschlauch, Zwingen, Gummibändern (Fahrradschlauch, nur bei Epoxi ausreichend) oder Wicklung+Keilen geschehen. Die Pressung bleib drauf, bis der Kleber SICHER abgebunden hat: Epoxi (Zimmertemperatur) 24 Std., Leim 2 Tage. Auch danach lieber noch 1 - 2 Tage warten, bis der Bogen erstmalig gezogen wird. Erhitztes Epoxi bindet wesentlich schneller ab, und ist gleich nach dem Auskühlen fest.

  • Gewebe (Leinen, Hanf, Seide, Glasfasermatte, etc...)

Auch Gewebe kann man mit Epoxi oder Leim aufkleben, zusätzlich geht auch Heißleim, (nur Hautleim! Knochenleim ist nicht elastisch!!). Glasfaser geht nur mit Epoxi.

In allen Fällen ist darauf zu achten, dass der Kleber das Gewebe satt durchtränkt. Tipp: Bogen und Gewebe-Klebeseite dünn einstreichen, Gewebe auflegen, in der Mitte oder an den Enden fixieren (klemmen oder wickeln), und mit Einweg-Tapezier- oder Lackroller rollen, immer leicht diagonal-kreuzweise, von der Fixierung weg. Ziel dabei ist neben dem Durchtränken, dass Überschuss zu den Seiten hin rausgequetscht wird. Epoxi oder Hautleim zusätzlich dabei abschnittweise mit Föhn erwärmen, dann wird es/er dünnflüssiger.

Ist das Gewebe durchtränkt und alle Kleber-Nester sind rausgerollt, kann man das Gewebe noch zusätzlich fixieren, damit es sich beim Trocknen - besonders bei welligen Bogenrücken - nicht an einigen Stellen oder am Rand wieder abhebt. Dafür muss erst einmal eine Trennlage aufgebracht werden, die nicht verklebt, z.B. Backpapier, Frischhaltefolie o.ä. Dann entweder eine weiche Zwischenlage (Teppichrest-Streifen, Gummi, Schaumstoff etc.) auflegen, und das Ganze mit Band wickeln. Oder gleich elastische Mullbinde, aufgeschnittenen Farradschlauch o.ä. verwenden.

Vorsicht, dass beim Wickeln das Backing nicht noch verschiebt! Erwärmtes Epoxi z.B. erst abkühlen lassen...

  • Rohhaut

Rohhaut MUSS vor der Verarbeitung in handwarmem Wasser eingeweicht werden. Damit scheidet Epoxi als Kleber aus. Die Haut nach dem Wässern trockentupfen. Die weitere Verarbeitung entspricht der von Gewebe, nur mit dem Unterschied, dass der Kleber die Haut nicht durchdringt. Dafür ist hierbei das abschließende, vollflächige Fixieren extrem wichtig, denn die Haut schrumpft beim Trocknen und würde sich sonst losreißen.

Außerdem trocknet der Leim unter der Haut wesentlich langsamer. Trockenzeit mindestens:

Bei Holzleim 1 Woche, bei Hautleim 4 Wochen. Trocken und luftig lagern, damit nix schimmelt!

  • Sehnen


[Fortsetzung folgt]

Wenn es schief ging

Fehlerursachen

verdrehte Wurfarme

1. Ein WA hat einen unzulänglichen Tiller.

(Das KANN auch nachträglich durch z.B. falsche Aufspanntechnik erzeugt werden, bei der der WA schief belastet wird!) Besonders bei Recurves besteht diese Gefahr. Ist der Recurve erst mal auch nur etwas aus der Flucht, verstärkt sich der "Schaden" mit jedem Zug, da der WA nun jedes Mal in die Richtung "verbogen" wird!

2. Der Griffbereich ist nicht in der Mitte.

Der ganze Bogen ist in seiner Längsachse krumm. Neben von vornherein so gebauten Bogen, kann dies auch nachträglich entstehen, durch - Nachtrocknen bei nicht ausreichend abgelagertem Holz, - auch wieder schiefes Aufspannen - leicht mitarbeitendem Griffbereich mit einseitigem Ast, (=Baufehler! Griff in diesem Fall unterdimensioniert!) - Hitzeeinwirkung oder falsche Lagerung

3. Unterschiedliche Holzfestigkeiten am Bogenbauch.

Besteht der Bogen nur z.B. zum Teil aus Kernholz, zum Teil aus Splint, können die unterschiedlichen Bereiche auf Dauer verschieden reagieren. Nicht unbedingt ein Baufehler, denn es kann sich evtl. erst mit dem Einschießen einstellen.. Sollte aber nachkorrigiert werden, da es sich sonst ebenfalls verstärken kann.

4. Drehwuchs oder seitliche Welle in einem Teilabschnitt.

In beiden Fällen laufen die Holzfasern ganz oder teilweise diagonal. Die Auswirkungen sind wie bei 3., nur tritt hier der Effekt meist schon beim Tillern in Erscheinung. Im Gegensatz zu 1. und 3. muss sich das hiebei jedoch nicht schädlich auswirken und auch nicht verstärken! Es gibt Bogen, (ich habe selber 2 solche), die dennoch jahrelang gut werfen. Besonders wenn es bei beiden WA gleichmäßig, nur eben gegengleich auftritt, spürt man nicht einmal einen "ungesunden" Auszug/Ablass, so ein Bogen KANN sich ganz "normal" schießen lassen...


Stauchrisse

Wodurch entsteht ein Stauchriss?

Ein Wurfarm (WA) ist statisch gesehen ein Kragarm, also ein einseitig eingespannter Balken, auf dem am Ende eine punktuelle Last aufgebracht wird (Wie ein Springer am Ende eines Sprungbretts).

Diese erzeugt ein Biegemoment, dass mit zunehmender Hebel-Länge (Abstand von der Sehnenkerbe) zunimmt und in Bogenmitte am größten ist.

Da die Kraft aber NICHT rechtwinklig angreift, sondern im Längsrichtung der Sehne, entsteht zusätzlich ein Druck längs durch den Stab zur Mitte hin.

Für den oberen WA-Teil nimmt diese Druckkraft beim Auszug AB, durch die Winkeländerung, bei Vollauszug steht die Sehne etwa rechtwinklig zum WA-Ende. Dort wirkt NUR noch Biegung, kein Längsdruck mehr. Je weiter man zum Griff kommt, desto mehr Längsdruck bleibt.

Auf dem Bogenrücken wirken allerdings Zugkräfte durch die Krümmung, diese heben sich mit der Druckkraft auf, auf der Bauchseite hingegen herrscht Druck, und zwar nun 2-fach! Daher ist das Holz, je weiter man zum Griff kommt, bauchseitig um so mehr druckbelastet.

Wird dabei die elastische Verformung der Holzzellen überschritten, kollabieren sie, wie ein Ei auf das man drauftritt!

Folge sind die Kompressionsfalten, und wenn die oberste Zellschicht kollabiert, muss die darunter liegende die Kraft aufnehmen, kann sie das auch nicht, kollabiert sie ebenfalls. daher können Kompressionsbrüche bis zur neutralen Zone (WA-Mitte) tief rein gehen!

Wir der WA nun (im Schuss) wieder entspannt, werden die (kollabierten) Zellen wieder auseinander gezogen. Nach kurzer Zeit sind die Zellwände völlig zerstört. Der Bogen bricht.

Was tun?

Die kollabierten Zellen kann man nicht "reparieren". Also muss man sie "ersetzen". Außerdem muss man verhindern, dass sie weiter gestaucht-gedehnt-gestaucht-gedehnt... werden, damit nicht der Schaden zunimmt und die Zellwände völlig reißen.

Damit aber kommen wir zu einem anderen Problem:

Wird die schadhafte Stelle versteift, müssen die angrenzenden Bereiche deren "Arbeit" mit übernehmen! Dies kann zur Folge haben, dass dann DORT neue Schadstellen entstehen. (Auf die Weise habe ich mal über 10 gewickelte Stellen auf einem Bogen "produziert", bis ich aufgegeben habe!

Wichtig für die Wahl der Gegenmaßnahme ist daher erst mal eine Ursachenanalyse! Damit kommen wir zur theoretischen Vorbetrachtung Teil 2:

Mögliche Ursachen sind:

1. Der Bogen ist (für das Holz) zu stark, bzw. das Profil (z.B. gerundeter Bauch) falsch gewählt.

Schadensbild: Falten im gesamten unteren WA - Viertel oder -Drittel, die zum Griff hin stärker werden.

2. Der Bogen hat eine Schwachstelle. (Das KANN ein Bearbeitungsfehler, aber AUCH eine von Natur aus schwache Holzstelle sein!).

Schadensbild: Falten in einem begrenzten Bereich, nach oben und unten davon abnehmend. Ergibt das Nachmessen einen uneinheitlichen Dicken-Verlauf (Taper), = Bearbeitungsfehler, ist der Taper perfekt = schwaches Holz.

3. Uneinheitliche Holzstruktur. Entweder eine Versteifung (durch Wunde oder Ast), NEBEN der dann der Schaden auftritt (wie bei einer Wicklung, s.o.), eine Schwachstelle (z.B. Totast, Wurmloch), oder eine nicht ausreichend berücksichtigte Welle (Wellen IN Biegerichtung reagieren oft weicher, bei Wellen GEGEN Biegerichtung ist an der Stelle der bauchseitige Ring dünner, wenn man dort das Holz begradigt!).

Schadensbild: wie bei 2, evtl. auf einen sehr kleinen Bereich beschränkt (Totast, Wurmloch).

Maßnahmen:

Ursache 1 (Bogen zu stark): Der Bogen muss schwächer gearbeitet werden. Dabei werden auch die Schadensbilder entfernt. Oft geht der Schaden allerdings schon tiefer, als mit bloßem Auge erkennbar ist, so dass dennoch neue Schadensbilder entstehen können; diese verstärken sich dann aber nicht mehr. In dem Falle lebt man damit, und schießt den Bogen, so lange es geht, was durchaus viele Jahre sein können!

Ursache 2 (schwacher Bereich):

a) Die übrigen Bereiche schwächen, so dass es insgesamt passt. Da die Schadensbilder dabei erhalten bleiben, kommt es darauf an, wie stark sie schon sind: Erst am Beginn > enfach so lassen, schon fortgeschritten > leichte Verstärkung: bauchseitig mit Epoxi bestreichen und wickeln. (Rückenseitig KEIN Epoxi, nur Lack! Soll sich ja weiter dehnen!)

b) Den schwachen Bereich verstärken: Gerade Fläche hobeln/schleifen, gleichwertiges Holz aufleimen, neu Tillern ("Holzpflaster"). An beide Enden des "Pflasters gehören Wicklungen!)

Ursache 3 (kleine Schwachstelle):

a) Totäste und Wurmlöcher ausbohren und mit gleichwertigem Holz wie WA füllen. Da drüber gehört eine Wicklung, evtl. noch zusätzlich eine kleinräumige Verstärkung wie bei s.u. b). b) Bei kleinen Wellen o.Ä. die Stelle bauchseitig verstärken, darüber eine Wicklung. Zur Verstärkung gehen: - kleines Holzpflaster - Glasfasermatte in Epoxi - dickes Leinen oder Hanf in Epoxi - dünne Hornscheibe

(Fortsetzung folgt)

Fehlerkorrekuren

Recurves

Dämpfen und Biegen

Vorweg zu bedenken: Dämpfen im arbeitendem Bereich kann das Zuggewicht reduzieren und zu vermehrtem Stringfollow führen. Vor Allem, wenn man die anschließende Trocknungsphase zu kurz ansetzt!

Beim Trocknen eines Holzes geschieht nicht nur ein Wasserverlust, sondern auch eine Verhärtung der Holzzellen durch das Abbinden der im Holzsaft gelösten Öle, Harze, Zucker, etc.

Durch Erhitzen werden diese Stoffe wieder verflüssigt, sogar ÜBER den natürlichen Zustand hinaus, darum lässt sich Holz dann ja heiß verformen. (In einigen Fällen wird dadurch aber die Fähigkeit zum Abbinden der Inhaltsstoffe völlig zerstört, das Holz bleibt "plastisch" ("Gummiholz")). Geschieht das Erhitzen durch Dampf, wird zusätzlich Wasser hinein befördert, was das erneute Aushärten dann verlangsamt.

Wie schnell ein Holz nach so einer "Tortour" wieder seine vorherige Festigkeit und Elastizität hat, ist leider unterschiedlich, tlw. selbst innerhalb einer Holzsorte.

Ich mache es mittlerweile so, dass ich Staves, die im arbeitenden Bereich gerichtet werden müssen, nach der Behandlung wieder mehrere Monate weg lege, also sozusagen eine komplette 2. Trocknungsphase nachschiebe. Allerdings bin ich in der glücklichen Situation eines gut gefüllten Stave-Lagers...

Um so mehr sollte aber der, der nur gerade "den einen" Stave zur Bearbeitung verfügbar hat, überlegen, OB eine Biegung notwendig ist und WELCHER Bereich erhitzt werden muss, und welcher geschützt werden kann - und danach die Ruhephase für das Holz so lange ausdehnen wie es nur IRGEND auszuhalten ist!

Biegungen im NICHT-arbeitenden Teil des Wurfarms (WA), z.B. statische Recurves, lassen sich ohne größere Gefahr auch nach wenigen Tagen weiter bearbeiten. Die Gefahr der Entstehung von "Gummiholz" bleibt jedoch auch hier (in den Fällen würden sich die Recurves beim ersten Ausziehen fast wieder völlig begradigen!). Besonders "anfällig" dafür sind z.B. Esche und Ahorn. Ich würde das Risiko auf ca. 10% schätzen!

Typen und Herstellung

1. Es gibt 2 grundsätzlich "Arten" von Recurves: Statische (die starr sind, sich nicht mit biegen), und dynamische, die beim Auszug zumindest teilweise gestreckt werden, sich im Abschuss aber wieder "aufrollen", also in die gekrümmte Form zuruck schnellen. Genau genommen gibt es noch eine 3. Art, nämlich "misslungene", die beim ersten oder nach ein paar Auszügen wieder in eine weitgehend gerade Form zurück gehen, also die Krümmung nicht halten.

2. Statische Recurves... ... kann man in 3 Typen "erzeugen":

2.1: Dicker lassen. Im Bereich der Recurves wird mehr Holz stehen gelassen, ab (ja nach Holzart, Länge der Recurvebereiche und Auszugstärke) etwa 3 mm zusätzlicher Dicke ist das Holz so viel biegesteifer, dass die Recurves starr bleiben. In Extremfällen genügt es, wenn der Taper (=Verjüngung, dünner werden zum Ende hin) des Wurfarms nicht mehr abnimmt, die Dicke also konstant bleibt.

2.2: Recurves verstärken. Durch Aufbringen einer Schicht Holz oder Horn bauchseitig, Holz, Horn, Sehnen, oder einem Gewebe rückenseitig, wird die Biegsamkeit der Recurves so weit reduziert, dass sie starr bleiben. Natürlich kann man auch beides kombinieren.

2.3: "Siyahs" anbringen. Wie bei vielen Reiterbogen, werden abgewinkelte oder gekrümmte Holzstücke am Ende eines geraden Wurfarms befestigt.

3. Dynamische Recurves. Auch dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:

3.1: Die Enden werden durch Erhitzen und Biegen in Form gebracht,

3.2: Es werden Staves mit gekrümmt gewachsenen Enden verwendet,

3.3: Der Stave wird in der Mitte, also bei halber Dicke, parallel zum Rücken aufgeschnitten, und gekrümmt wieder verleimt. (Für den Holzverlust durch die Dicke des Sägeblatts wird dabei ein Holzstreifen mit eingeleimt.

3.4: Der Bogen wird komplett aus dünnen Holzschichten in einer Form verleimt (Laminatbauweise).


Weitere grundsätzlich Betrachtungen:

A) Jeder Formänderung eines Bogens verändert die Geometrie. Werden also, wie auch immer, irgend welche Recurves an einem weitgehend fertigen Bogen angebracht, muss der Tiller insgesamt nachkorrigiert werden!

B) Um Holz in eine dauerhaft gekrümmte Form zu "zwingen", muss man es entweder so dünn machen, dass es sich kalt krümmen lässt, und so verkleben (Typen 3.3 und 3.4, auch 2.2 lässt sich so herstellen), oder man muss es erhitzen und heiß biegen. BEI der Herstellung lässt sich dies noch kombinieren (trocken erhitzen und mit Epoxi verkleben), sind die Schichten aber erst einmal verklebt, würde jedes Erhitzen die Klebung wieder auf gehen lassen.

C) Wird Holz heiß gekrümmt, werden dabei die (hier) Rückenfasern gestaucht, die Bauchfasern gedehnt, und "erstarren" beim Erkalten so. Wird ein Bogen gezogen, werden die Rückenfasern gestreckt, die Bauchfasern gestaucht - und machen dies beim Abschuss "rückgängig". Darauf komme ich noch zurück..

D) Dynamische, also arbeitende Recurves müssen diese Arbeit natürlich an beiden Wurfarmen etwa gleich verrichten, und dies auch jeder für sich möglichst in Gänze und nicht nur an einer Stelle - sie müssen also auch "getillert" werden.

Bewertung der verschiedenen Typen:

Am schwierigsten, also mit den geringsten Erfolgsaussichten, herzustellen, ist der Typ 3.1. Der Grund liegt in Vorüberlegung C! Einerseits müssen die Fasern die künstliche Formung behalten (Rücken:Stauchung, Bauch:Streckung) um "in Form zu bleiben", geichzeitig sollen sie im Auszug aber das Gegenteil tun, den Rücken strecken, den Bauch stauchen. Das ist ein "Widerspruch", der auf den ersten Blick unmöglich scheint! Dass es dennoch gelegentlich geling, liegt in einer besonderen Eigenart mancher Hölzer!

Die Bindungen zwischen den Faserschichten werden beim Erhitzen so weit gelöst, dass eine innere Umlagerung stattfinden kann. Beim Erkalten "verkleben" die Fasern dann jedoch wieder so gut miteinander, dass im Grunde nun der selbe Effekt eingetreten ist, wie bei Typ 3.3 oder 3.4. UND diese, neu entstandene Verbindung ist STÄRKER als die Dehnung/Stauchung, die das Holz beim Auszug/Ablass erfährt, und das auch dauerhaft.

Leider kann man nicht vorhersagen, ob und wie weit ein Holz so reagiert, selbst INNERHALB einer Holzart kann es da Unterschiede geben, auch die Art, Dauer und Höhe der Erhitzung hat vmtl. Einfluss, und es kann daher wieder sogar so sein, dass ein Bogenende sich anders verhält, als das andere!

Typ 2.1 (dicker lassen) wird ebenfalls davon beeinflusst! Hier kann es dazu kommen, dass durch das Erhitzen die inneren Bindungen des Holzes so stark "beschädigt" werden, dass es WENIGER davon zurück behält, als nicht erhitzte Teile! Dies kann entweder dazu führen, dass es sich wieder gerade biegt, OBWOHL es dicker belassen wurde, oder sogar so weit gehen, dass es dauerhaft plastisch verformbar wird, wie ein Stab aus Blei ("Gummiholz"). Leider ist auch dies nicht vorhersehbar, und auch hier können Stücke der selben Holzart unterschiedlich reagieren. Mir ist dieser Effekt schon bei Esche und Ahorn begegnet, ich habe aber aus beiden auch schon erfolgreich solche Recurves gebaut!

Typ 2.2 (Recurves verstärken) ist daher eine Möglichkeit, diesem Problem vorzubeugen! Außerdem hat er den Vorteil, dass das Holz dafür dünner sein kann, womit es sich leichter und präziser biegen lässt, und man kann diese Methode auch noch NACHTRÄGLICH anwenden, um einen vorher gerade gebauten Bogen ohne dickere Endbereiche mit statischen Recurves zu versehen. Tritt allerdings der "Gummiholz-Effekt" ein, nützt auch die aufgebrachte Verstärkung nichts! Man kann einen Bogen damit also auch "vernichten", ein Risiko, dessen man sich bewusst sein muss!

Typ 2.3 (Siyahs" anbringen) ist hingegen relativ sicher und bewährt! Er hat aber auch einen Nachteil: Die addierten Holzstücke (+ Leim + Wicklung) bringen viel zusätzliches Gewicht gerade in den Teil des Wurfarms, wo es am "schädlichsten" für die Wurfleistung ist! Ein großer Teil des Leistungs-Gewinns durch die reflexe Form geht so wieder "verloren".

Typ 3.1 (erhitzen und biegen) ist zwar möglich, aber die Erfolgsaussichten sind begrenzt! Oft biegen sich die Krümmungen unter der weiderholten, arbeitenden Belastung wieder ziemlich weit gerade. (Sh. oben, "grundsätzliche Betrachtungen", C)

Typ 3.2 (krumm gewachsen) ist nur deshalb schwierig, weil es selten geling, solche Staves zu finden, die im Abstand einer Bogenlänge je eine etwas gleich starke Krümmung, und das auch noch etwa in einer Ebene, also der gleichen Richtung, haben. GEBEN tut es sie aber, und wenn man sie findet ist das Hauptproblem, sie auch zu erkennen, und nicht den "krummen Hund" als ungeeignet beiseite zu legen!

Typ. 3.3 (gekrümmt verleimt) funktioniert, das wurde hier im Forum schon erfolgreich gezeigt! Ich setze nachher den Link dahin hier dazu!

Typ 3.4 (Laminatbauweise) ist sicher und bewährt, dies ist die am weitesten verbreitete Methode.

Vorgehen:

Zu 2.1 (dicker lassen): Das Hauptproblem dieses Typs ist, den richtigen Kompromiss in der Dicke des zu biegenden Bereichs zu finden! Macht man ihn zu dünn, muss der Bogen evtl. schwächer ausgeführt werden, als beabsichtigt. Lässt man ihn zu dick, bekommt man ihn nicht in den gewünschten Radius gebogen, oder die Fasern reißen dabei sogar! Hilfreich ist auf jeden Fall, die Dicke im gesamten zu biegenden Bereich linear zu lassen, so dass auch bauchseitig die Fasern durch gehen - sonst kann sich ein Span abspalten! Man muss also einschätzen können, wie dick der WA im letzten sich noch BIEGENDEN Abschnitt kurz VOR den Recurves später sein muss, und dann ein paar mm mehr Dicke belassen, so biegen, und dann den biegenden Teil dünner arbeiten. Die Recurves werden ebenfals hinterher noch von allem "überflüssigen" Holz befreit, um so leicht wie möglich zu werden. Dabei muss man sehr behutsam vorgehen, letzteres macht man, wenn der bogen ansonsten fertig getillert ist. Man darf auf keinen Fall so viel weg nehmen, dass die Recurves sich bei Vollauszug anfangen zu strecken.

Zu 2.2 (Recurves verstärken): Diese Methode ist, wie schon gesagt, sogar nachträglich machbar, erfordert dann aber ein Nachtillern des Restes! Die Enden werden, auf der/den Seite(n), wo ein Material aufgebarcht werden soll, geglättet (bei Umbauten: von Oberflächenversiegelungen befreit), dann gebogen, und dann mit der Verstärkung beklebt.

Mit dieser Methode lassen sich übrigens auch "misslungene" Recurves des Typs 2.1 oder 3.1 noch "retten"!

Zu 2.3 (Siyahs" anbringen): Auch dies geht nachträglich, auch hier ist bei Umbauten Nachtillern erforderlich. Hier besteht das Problem, dass im Bereich der erforderlichen Wicklung der WA nicht mehr bearbeitet werden kann, was das Tillern erschwert, und eine gute Abschätzung erfordert, wie dick das Holz in dem Bereich belassen werden muss.

Zu 3.1 (erhitzen und biegen): Das Vorgehen ist wie bei 2.1, allerdings ist es hierbei geradezu elementar wichtig, dass das Holz wieder völlig getrocknet und die Inhaltsstoffe, die die inneren Bindungen herstellen, vollständig ausgehärtet sind! Nach dem Biegen ist also eine mehrwöchige, besser mehrmonatige Trockenphase unerlässlich, wenn es überhaupt Erfolgssausicht haben soll. Beim Tillern kann man dann WA und Recurves gleichzeitig tillern, wobei immer von Kerbe zu Kerbe, also mit fortschreitendem Auszug, ERST der WA und DANN der Recurve bearbeitet wird, um den Recurve nicht zu überlasten! Ein Eiertanz!

Alternativ kann man auch die Recurves erst mal steif lassen, und sie dann später, wenn die WA quasi fertig sind, vorsichtig dünner tillern, bis sie sich ebenfalls biegen. Nachteil: Das Zuggewicht sinkt noch, und durch die dann wieder veränderte Geometrie muss auch der WA noch hin und wieder nachkorrigiert werden. Vorteil: Bemerkt man jetzt, dass die Recurves sich wieder dauerhaft strecken, also die Biegung nicht halten, kann man noch auf Typ 2.2 "umschwenken".

Zu 3.2 (krumm gewachsen): Der ganze Bogen wird in einem Stück bearbeitet, wie bei 3.1 gilt aber: "...wobei immer von Kerbe zu Kerbe, also mit fortschreitendem Auszug, ERST der WA und DANN der Recurve bearbeitet wird, um den Recurve nicht zu überlasten!" Im Bereich der Recurves darf sich KEIN Stringfollow einstellen!

Zu 3.3 (gekrümmt verleimt): Auch hierfür muss man einigermaßen genau die Endmaße des fertigen Bogens abschätzen können, um den Schnitt und die Zwischenlage etwa in der halben Dicke platzieren zu können. Ansonsten ist das Vorgehen eigentlich wie bei 3.1, nur dass sich die Trockenpahse auf das Abbinden des Klebers reduziert. Theoretisch ist dies sogar als nachträglicher Umbau möglich, nur ist dann der Schnitt schwieriger herzustellen, weil weniger Material drum herum vorhanden ist, und auch der WA evtl. schon etwas Stringfollow hat, was es schwer macht, Schnitt und Klebung sauber auszuführen.

Zu 3.4 (Laminatbauweise): Dies erfordert eine vorgefertigte Bogenform, in die die Laminatstreifen kalt oder erhitzt gepresst werden. Nach dem Abbinden des Klebers wird im Ganzen getillert.

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