Bogen

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Inhaltsverzeichnis

Die verschiedenen Bogentypen

Man kann Bogen nach unterschiedlichen Gesichtspunkten klassifizieren:

  • Nach dem Material
  • Nach der Ausstattung
  • Nach der Form/Technik

Bei Turnierausschreibungen werden die Klassen leider oft etwas willkürlich "zusammengewürfelt"! Wünschenswert wäre, die Klassen nur nach EINER Einteilungsart zu setzen, und nicht z.B. "Recurve" (Form), "Holzbogen" (Material) und Jagdbogen (Ausstattung) zu vermengen!

Als "Take-Down" bezeichnet man einen teilbaren Bogen; es gibt 2 Varianten: Zweiteiler haben einen teilbaren Griff, Dreiteiler ein Mittellteil und angebaute Wurfarme. Man kann fast jeden Bogentyp als "Take-Down" ausführen, daher stellt dies keine eigene Klasse dar.

Einteilung nach Material

  • Reiner Holzbogen ("Selfbow", Vollholz-Bogen): aus einem Stück Holz oder im Griff aus 2 vergleichbaren Stücken zusammengesetzt.
  • Holz-Laminatbogen: aus mehreren Schichten Holz verleimt, wobei oft unterschiedliche Holzarten verwendet werden, um die jeweils besten Eigenschaften einer Holzart entsprechend der Belastung auszunutzen.
  • Komposit-Bogen: In mehreren Schichten aus unterschiedlichen Materialien verleimt / verklebt. Die meisten modernen, glasfaser-belegten Bogen mit Holzkern gehören dazu.
  • Fiberglas-Bogen: Aus kunstharz-gebundenen Glasfaser-Strängen gepresst. Zunehmend werden auch Carbonfasern an Stelle von Glas verwendet.

Einteilung nach Ausstattung

  • Primitivbogen (PB): Ohne alles (s.u.), ob mit seitlich angeklebter Pfeilauflage noch dazu gehört, wird unterschiedlich gesehen. Ebenso, ob ein glasbelegter Bogen OHNE seitlich verringerte Breite dazu gehört.
  • Blankbogen (BB): BMS (Bogen mit Schussfenster) oder zumindest Pfeilauflage und geringerer Breite im Griffbereich, aber ohne Zielhilfe(n) und Stabilisator(en). Durch die verringerte Breite wird der Pfeil im Abschuss weniger seitlich gekrümmt. Wann ein schmaleres Griffteil schon ein Schussfenster ist, wird unterschiedlich gesehen.
  • Jagdbogen (JB): In der Regel BMS, dazu mit Zielhilfe und/oder kleinem Stabilisator.
  • Olympischer Bogen (FITA-Bogen): BMS, in der Regel Recurves, dazu mit evtl. Auszugkontrolle, (tlw. mehreren) Zielhilfen und (tlw. mehreren) Stabilisatoren.

Einteilung nach Bogenform/-technik

  • Steinzeitbogen: Urformen
  • Penobscotbogen: Doppelbogen
  • Yumi: (asymmetrischer, japanischer Langbogen)
  • Langbogen/Flachbogen: Länge ca. über 1,60m, Sehne liegt auf Standhöhe NICHT am Wurfarm an.
  • Reflexbogen: Langbogen mit gegen die Zugrichtung gebogenen Enden, wobei die Sehne im gespannten Zustand nicht an den Wurfarmen anliegt.
  • Recurvebogen: Mit nach vorn gekrümmten Enden der Wurfarme (die können statisch, also starr, oder dynamisch, also arbeitend, sein). Sehne liegt auf Standhöhe am Wurfarm an.
  • Reiterbogen: Kurze , meist Komposit- Bogen. Der indianische Reiterbogen hat oft eine charakteristische "Paddelform" und einen Sehnenbelag. Der asiatische R. ist im Grunde ein Recurvebogen mit statischen Recurves, wird wegen der besonderen Form der massigen Enden (Siyahs) und der Kompositbauweise aber als eine eigene Klasse betrachtet.
  • Compoundbogen: Bogen mit Umlenkrollen und Seilzügen.

Einteilung nach Material

Selfbow

Ein Bogen der in seinen wesentlichen Teilen aus Vollholz gebaut wurde. Ein Selfbow ist nicht laminiert, kann aber z.B. im Griff gespleißt sein und zum Bruchschutz ein Backing haben. Die Abgrenzung zum Kompositbogen ergibt sich daraus, welchen Anteil das Backing an der Schussleistung hat. Kann als Primitivbogen oder Blankbogen, als Langbogen oder Recurve ausgeführt werden.

Holz-Laminatbogen

Mehrere Schichten Holz werden zu einem Vollholz-Bogen verleimt. Bei der Auswahl der Hölzer für die einzelnen Schichten werden die spezifischen Holzeigenschaften dahingehend berücksichtigt, wie sie für die jeweilige Belastung geeignet sind.

  • besonders zugtolerante und elastische Hölzer für den Rücken. Rückenhölzer sind: Hickory, Eiben-Splint, Osage, Robinie, Ulme, Esche,...
  • besonders gut rückfedernde und leichte Hölzer für die ggf. Mittellage(n). Mittellagen-Hölzer sind: Ahorn, Buche,...
  • besonders drucktolerante und druckelastische Hölzer für den Bauch. Bauchhölzer sind: Osage, Eiben-Kern, Ulme,..

Bambus eignet sich für alle Lagen.

Einteilung nach Ausstattung

Langbogen

Zu den Langbögen zählen alle Bögen mit Längen ab ca 160cm, die keine Recurves besitzen, deren Sehne also auf Standhöhe keine Berührung mit dem Wurfarm hat, ausser an der Sehnenkerbe.

Daher zählen die folgenden Bogentypen zu den Langbögen:

Primitivbogen

Puristen verstehen darunter einen Bogen ohne Schussfenster, der nicht einmal einen schmaleren Griffbereich hat, aus einem Stück Holz gefertigt wurde (Selfbow) und ohne Pfeilauflage benutzt wird, kein Backing hat, und nicht einmal ein Griffleder.

Der Übergang zum Blankbogen ist fließend. Je nach Auslegung werden

  • schmalere Griffbereiche
  • Griffleder
  • angefügte Pfeilauflage
  • Backing als reiner Bruchschutz (z.B. Rohhaut)

toleriert.

Blankbogen

Ein Blankbogen ist ein Bogen ohne Visier, Klicker und Stabilisator. Viele Schützen verwenden ihn mit String- oder Facewalking (Systemschießen). Die Abgrenzung zum Primitivbogen ist fließend, wobei glasbelegte Kompositbogen in Recurve-Form am weitesten davon entfernt sind.

Flachbogen

Als Flachbogen bezeichnet man Langbögen die einen verhältnismäßig breiten Wurfarm und einen relativ flachen, höchstens ganz leicht gewölbten Bauch besitzen.

englischer Langbogen

---ergänzende Informationen bitte noch Eintragen---

Jagdbogen

Einteiliger Jagdrecurve

Der Jagdbogen, meistens ein Recurve, ist ein kurzer, und damit besonders handlicher Bogen. Ohne Visier und Stabilisator geschossen ist er der Blankbogen-Klasse zuzuordnen, oft sind aber einfache Zielhilfen und ein kurzer Stabilisator erlaubt, was dann eine eigene Klasse darstellt. Im DBSV ist die maximale Bogenlänge auf 66 Zoll festgelegt. Der Bogen ist, wie sein Name schon sagt, für die Jagd entwickelt worden. In der Regel ein Komposit-Bogen (glasbelegt) mit Schussfenster.

Olympic

Der Olympic ist ein Recurvebogen, der hauptsächlich für das Scheibenschießen gebaut ist. Außer einem Visier sind an solchen Bögen noch eine Pfeilauflage, ein Klicker und ein Stabilisator angebaut. Mit dieser Art von Bögen kann sehr präzise geschossen werden, auch bei geringem Zuggewicht. Die Mittelteile sind meist aus Aluminium hergestellt. Die Wurfarmaufnahmen sind bei fast allen Herstellern identisch.

Einteilung nach Bogenform

Langbogen und seine Ausdrucksformen

Der Langbogen ist die älteste und variantenreichste Bogenform. Es gibt zudem eine Menge Formen, die im Übergangsbereich zu anderen Typen nicht eindeutig zuzuordnen sind.

Englischer Langbogen (ELB)

Der traditionelle englische Langbogen (auch ELB genannt) hat einen meist ovalen bis D-förmigen Querschnitt. Nach Richtlinien der BLBS (British Longbow Society) soll das Verhältnis von Breite zu Dicke den Wert 5/8 nicht unterschreiten, aber auch Profile, die tiefer als breit sind, sind aufgrund der hohen Belastung des Bogenbauchs und der geringen Verwindungsstabilität nicht zweckmäßig. Der Bogen sollte mindestens so hoch wie der Schütze sein und überschreitet ein Maß von 2m nur selten. Er wird hauptsächlich aus einem Stück Holz (Eibe) gefertigt. Teilweise wird auch ein Backing aus Holz oder Bambus aufgebracht.

Die Bogenenden bestehen häufig aus geschnitzen Hornnocken, in welche die Sehne eingehängt wird.

Englische Langbögen haben häufig eine Länge von mehr als 1,8m. Das traditionelle Maß ergibt sich, indem man sich aufrecht hinstellt und eine Hand nach oben streckt. Dort, wo die Hand endet, sollte auch der Bogen enden. Wirklich lange Longbows sieht man jedoch nur selten. Ein Grund für diese überlangen Bögen könnte schlechtes Baumaterial gewesen sein. Je länger der Bogen, desto kleiner ist die Durchbiegung und damit auch die Materialbelastung. Ein Mensch in unserer Zeit käme mit dieser Formel häufig auf Längen von über 2,3m. Dies ist nach heutigen Maßstäben jedoch nicht wirklich sinnvoll. Man muss dabei aber auch bedenken, daß die Menschen im Mittelalter kleiner waren.

Erst in späteren Jahrhunderten entwickelte sich der englische Langbogen zu der heutigen Form mit elliptischem Tiller und schmucken Hornnocken, sowie Griffwicklung, er wird deshalb auch "viktorianischer Langbogen" gennant. Den mittelaltelichen bzw. Renaissancebogen nennt man heutzutage oft Kriegsbogen (Warbow). Diese Bezeichnung ist nicht historisch gewachsen, sondern im 20. Jahrhundert eingeführt worden, um Bögen mit hohen Zuggewichten und kreisrundem Tiller von den leichteren Scheibenbögen abzugrenzen. Die EWBS (English Warbow Society) hat als Untergrenze ein Zuggewicht von 70# auf 32" Auszug definiert und das Breiten-Dicken Verhältnis von 5/8 von der BLBS übernommen. Es gibt dabei drei unterschiedliche Klassen: die "Mary Rose" Klasse lässt nur Bögen aus Eibe zu, die den Profilen der Bögen, die auf dem versunkenen Tudor-Schiff "Mary Rose" gefunden worden, folgen; die "Meane Wood" Klasse lässt nur Selfbows zu und die "non-historic" Klasse ist für laminierte Bögen und Hölzer wie Osage Orange geschaffen worden. Auf besagtem Schiff wurden Bögen zwischen ~80 und ~180# Zuggewichten gefunden, das Mittel lag ungefähr bei 140#. Heutzutage werden solche Zuggewichte problemlos von versierten Kriegsbogenschützen gezogen und bestätigen die Aussagen, die über den Fund getroffen wurden.


Beispielbilder für einen entspannten und gespannten englischen Langbogen

Englischer Langbogen, entspannt
Englischer Langbogen, gespannt


Flachbogen (engl. Flatbow)

Flachbogen ist in der Entstehung des Begriffs ein Bogentyp, der sich v.a. vom engl. Langbogen abgrenzt, auch wenn er die selbe Länge hat. Ein langer Flachbogen ist somit zugleich auch ein Langbogen, aber eben kein ELB.

Flachbogen

Die Bezeichnung leitet sich vom Profil der Wurfarme ab. Der Querschnitt der Wurfarme bildet ein mehr oder weniger flaches Rechteck, im Gegensatz zum englischen Langbogen. Die ältesten bekannten Funde von Bogenfragmenten zeigen, dass das Design des Flachbogens schon sehr alt ist. Bezeichnend ist, dass heute alle modernen Bögen (Glasfiber verstärkte Lang-, Recurve- und Compoundbögen) auf diesem Design beruhen.


Steinzeitbogen

Wiederum ein Sammelbegriff für eine Reihe unterschiedlicher Bogentypen. Inbegriff des Steinzeitbogens ist der Holmegaard, der einen gerundeten Rücken (entsprechend dem Ringverlauf dünner Stämme) und einen flachen Bauch hat. Zudem ist etwa das letzte 1/4 bis 1/3 des Wurfarms schmaler (und dafür dicker) ausgeführt als der Rest, und weitgehend biegsam, nur ca. 10 cm von den Enden her steif, nimmt also weitgehend an der Biegung teil, oder weitgehend steif, so dass sie nur als Hebelverlängerung wirken. Weitere Vertreter dieser Klasse sind z.B. Møllegabet, Meare Heath oder Tybrind Vig.

Daneben waren Flachbogen verbreitet.

Indianerbogen

Sammelbegriff für die Bogentypen:

  • indianischer Reiterbogen und
  • indianischer Flachbogen
  • Penobscotbogen

Während sich der indianische Flachbogen nicht wesentlich von den steinzeitlichen Modellen oder europäischen Typen unterscheidet, ist der indianische Reiterbogen eine eigenständige Form und wird meist gemeint, wenn der Begriff "Indianerbogen" verwendet wird.

Penobscotbogen

Sondertyp indianischer Bogen. Doppelbogen. Auf die Rückenseite eines Bogens wird ein zweiter, starker, kürzerer Bogen aufgebracht und mittels zweier getrennter Bogensehnen mit den Enden des Hauptbogens verbunden. Beim Auszug des Hauptbogens wird der Vorbogen ebenfalls, aber nur mit kurzem Arbeitsweg, gekrümmt, und dient so der Leistungssteigerung des Hauptbogens. Vermutlich als "Notlösung" in Ermangelung ausreichend starker Staves entwickelt.

Reiterbogen

Hier muss man indianische Reiterbogen (Indianerbogen) vom asiatischen Reiterbogen unterscheiden. Beiden gemeinsam ist, dass sie auffällig kurz sind, um beim Gebrauch auf dem Pferd maximale Bewegungsfreiheit zu bieten, was wiederum nur mit akzeptabler Leistung umsetzbar ist, wenn man sie als Kompositbogen mit Sehnenbacking und tlw. Hornbauch ausführt.

Der indianische Reiterbogen

ist ein kurzer, oft "paddelförmiger" (= in Wurfarm-Mitte am breitesten) Flachbogen, häufig mit Sehnenbelag, tlw. (schmalere) auch mit Hornbauch. Manche haben kurze, statische Recurves, einige Stämme haben kunstvolle Bemalungen aufgebracht, die das Bild dieses Bogentyps geprägt haben.

Der asiatische Reiterbogen / Kompositbogen

besteht aus fünf Teilen. Auf dem

  • Holzkern (der Seele) sind angebracht:
  • der Griff
  • die Siyahs
  • der Hornbelag am Bauch
  • die Sehne auf dem Rücken des Bogens

(Die moderne, preisgünstigere Variante ist, dass der Wurfarm aus gepresstem Fiberglas besteht, mit Leder überzogen ist, und nur sichtbare Teile aus Holz oder Horn sind!)

Die meisten asiatischen Reiterbögen / Kompositbögen hatten einen Reflex, der durch das Schrumpfen der Sehne, die man auf den Bogenrücken mit Hautleim klebte, erzeugt wurde.
Der Reiterbogen nutzte auch schon den Perry-Reflex, denn die Hornplatten am Bauch wurden meistens zuerst an den Kern geklebt und dann kam der Sehnenbelag auf die Seele. Durch das Schrumpfen der Sehne wurde dann der Perry-Reflex zusätzlich unterstützt und führte in der Kombination zu einer starken Vorspannung.

Das Verkleben der Seele mit der Hornplatte wurde sehr sorgfältig ausgeführt, die zwei Teile wurden eingekerbt um eine Vergrößerung der Klebefläche zu erhalten und es sollte die Schälkräfte direkt in Scherkräfte umwandeln. Auch die Verbindung von den Siyahs zur Seele musste sehr sorgfältig gearbeitet werden.
Der Griff mit dem Hornbelag wird bei Reiterbögen / Kompositbögen mit ca. 1000 kg zusammen gestaucht, der Rücken erfährt ungefähr das Gleiche.

Der Reiterbogen wurde für das Schießen vom Pferd gebaut, deswegen sind solche Bögen sehr kurz. Durch diese "Verkürzung" konnten nur elastische Materialien verwendet werden, z.B. Horn und Sehne. Es gibt verschiedene Typen von Reiterbögen / Kompositbögen, meist hatte jedes Land seine eigenen Formen.

Die meisten Reiterbögen / Kompositbögen kommen aus asiatischen Ländern.

Die bekanntesten Bögen kommen von den Hunnen, Mongolen, Skythen, Chinesen, Koreaner, Magyaren und Türken, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Der Reiterbogen / Kompositebogen ist wahrscheinlich sowas wie die Meisterklasse des Bogenbaus.

Yumi

Lexikon:


Japanischer Langbogen, ursprünglich Kriegs- und Jagdwaffe. Traditionell aus laminiertem Bambus gefertigt, heute für Anfänger auch aus Holzlaminat belegt mit Glas- oder Carbonfaser, die zwar robuster, schiesstechnisch dem Bambus aber unterlegen (!) ist.

Charakteristisch ist die asymmetrische Form, Ihre Bedeutung ist aber nicht völlig geklärt.

Der japanischen Bogenbau brachte seit dem 3. Jahrhundert einen sehr eigenständigen Bogentyp hervor. Bauch und Rücken bestehen aus einer Lage Bambus, wobei neben der Auswahl zusätzliches "Tempern" (Hitzebehandlung) die Eigenschaften des Bambus gezielt verbessert (höhere Druckfestigkeit der Bauchseite). Die Mittellage besteht aus einem Laminat von evtl mehreren Lagen von "stehenden" (= um 90° gekippten) Bambus-Streifen, mit Wachsbaum-Streifen an den Außenseiten (besser zu bearbeiten/glätten!).

Die Gesamtlänge liegt deutlich über 2m, oberer und unterer Wurfarm stehen etwa im Längenverhältnis von 2 zu 1 und zeigen - für einen Langbogen ungewöhnlich - einen ausgeprägten Reflex.

Die asymmetrische Konstruktion mit deutlich reflexen Wurfarmen im ungefähren Verhältnis 2/3 über und 1/3 unter dem Griff ist in dieser Form weltweit einzigartig und erfordert eine sehr spezifische Schießtechnik. Diese Form ist seit dem 3. Jhdt. nachgewiesen und ermöglicht die Verwendung des Langbogens in knieender/gehockter Stellung (beim Schiessen aus der Deckung in Jagd und Krieg vorteilhaft) und zu Pferde.

Die historischen Gründe ihrer Entstehungsgeschichte ist trotz einer Reihe von Erklärungsversuchen nicht wirklich überzeugend geklärt. Sie hat aber, einmal etabliert, eine Reihe von Vorteilen: Sie ermöglicht u.a. das Schießen mit einem Langbogen auch in knieender Haltung und vom Pferd. Außerdem ist der nach vorn geneigte Griffbereich biomechanisch günstig für eine ausbalancierte Haltung der Bogenhand, die in der Kyûdôtechnik eine zentrale, aktive Rolle spielt.

Recurvebogen

Beim Recurvebogen sind, im Gegensatz zum Langbogen, die Enden der Wurfarme nach vorne gebogen.

Es gibt den statischen- und den arbeitenden Recurve.

Der statische Recurve bleibt im ganzen Auszug steif und arbeitet nicht an der relativen Biegung des Bogens. Meist ist er im Winkel von 60°.

Der arbeitende Recurve entrollt sich im Auszug und trägt zur relativen Biegung bei. Meist wird er in Laminatbauweise aus Schichten geformt. Mit Hitze zum Recurve gebogenes Vollholz hält seine Form nur selten.

Compoundbogen

Persiflage auf einen "vollständig aufgerüsteten" Compoundbogen Quelle: pfeil-bogen.thomas-wickert.de

Der Compound ist die jüngste Entwicklung im Bereich Bogenschießen. Er wurde 1969 von Hollis Wilbur Allen erfunden.

Das Herzstück des Compoundbogen sind die an den Enden der Wurfarme angebrachten Cams oder Excentrics. Hierbei handelt es sich um speziell gelagerte und geformte Rollen über welche die Sehne geführt wird.

Über dieses Rollensystem wird erreicht, dass der Schütze im Vollauszug nicht das komplette Zuggewicht halten muss, sondern nur einen Bruchteil des maximalen Zuggewichts. Es gibt Compoundbögen bei denen 80# überwunden werden müssen um den Bogen zu spannen, während man ihn im Vollauszug mit dem kleinen Finger halten kann.

Der Compoundbogen ist sehr schnell und präzise aber auch entsprechend fehleranfällig. Er wird überwiegend von Visierschützen eingesetzt, kann aber auch intuitiv geschossen werden. Bei Turnieren ist der Compoundbogen die einzige Bogenart bei der ein Release verwendet werden darf (in den entsprechenden Klassen).

Compoundschützen werden von traditionellen Bogenschützen wegen der ganzen verwendeten Technik oft belächelt (siehe Bild). Dies beruht jedoch zum größten Teil auf Gegenseitigkeit.

Bogen in der Geschichte

Der Bogen gehört zu den ältesten Gerätschaften der Menschheit und kann auf eine lange Entwicklung und Geschichte zurückblicken. Näheres dazu findet ihr unter Geschichte.

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