Kyudo

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Kyûdô bedeutet wörtlich "Bogen-Weg" und ist die japanische Tradition des Bogenschießens.

Geschossen wird mit dem Yumi, dem asymmetrischen Langbogen aus Bambuslaminat von über 2 m Länge. Die Bambuspfeile sind entsprechend dem ungewöhlich weiten Auszug ca. 90 - 100cm lang. (Für Anfänger ist es aber üblich, nicht mit traditionell gefertigter, teurer Ausrüstung zu beginnen. Bögen in gleicher Form und mit annähernd gleichen Schießeigenschaften werden auch aus Holz und Glasfiber oder Carbon gefertigt, Aluminium- oder Carbonschäfte in passender Stärke und Länge gibt es z.B. von Easton.)

Geschossen wird auf 28m Entfernung auf eine Scheibe ("mato") von 36cm Durchmesser oder seltener auf eine Scheibe von 1 m Durchmesser auf 60m. Zum Techniktraining wird das Makiwara, eine Walze aus Reisstroh, entsprechend einer Ablassscheibe verwendet.

Die formellen Bewegungen einzeln oder in der Gruppe vor und nach dem eigentlichen Schuss sind in einer genau beschriebenen Form auszuführen, deren Dauer je nach äußerem Rahmen und Anlass von wenigen Sekunden bis mehreren Minuten betragen kann.

Die Schießtechnik ist eine Weiterentwicklung der mongolischen Technik, statt eines Daumenringes wird ein Handschuh mit versteiftem Daumen verwendet. Genau genommen gibt es mehrere Schießtechniken, denn Kyûdô wird in verschiedenen Schulen und Stilrichtungen gelehrt. Für den unvoreingenommen Betrachter gleichen sich diese aber in den meisten äußerlichen Aspekten: Der Pfeil liegt auf der rechten, also der Außenseite an, der Bogen wird bis über Kopfhöhe gehoben und die Sehne dann bis hinter das Ohr gespannt. Im vollen Auszug liegt sie an der Brust, der Pfeil an der Wange an und zeigt in das Ziel, dabei dient das Verhältnis von linker Bogenkante und Ziel als visuelle Referenz. Das Lösen erfolgt nicht als "Loslassen", sondern als Resultat einer dynamischen Spannungssteigerung im ganzen Körper, die mit beiden Händen aktiv in den Bogen übertragen wird. Als Folge davon rotiert der Bogen in der geschlossenen (!) Bogenhand und die Arme sind nach dem Schuss in annähernder Kreuzform weit geöffnet. Diese komplexe Technik ist bedingt durch den asymmetrischen Bogen, kann aber im Idealfall den Pfeil mit deutlich mehr Energie beschleunigen, als im gespannten Bogen alleine gespeichert ist. Ausserdem wird dadurch die Sehne um Ohr/Wange und Unterarm, der Pfeil um die Bogenkante gelenkt, genauer Spinewert und archers paradoxon spielen dabei keine wesentliche Rolle.

Die Formen des japanischen Bogenschießens zu Pferde (Yabusame, Kasagake) werden gemeinhin nicht als Kyûdô bezeichnet, obwohl auch hier weitgehend die gleiche Ausrüstung und in Grundzügen ähnliche Technik verwendet werden.

Lexikon: